Auf Grund eines technischen Defektes einer Maschine, welche wir bei einer südeuropäischen Firma eingekauft haben, ist ein Techniker dieser Firma gestern angereist um den Defekt zu beheben.
Eigentlich soweit nichts Außergewöhnliches. Ist der Techniker aber keiner weiteren Sprache außer der seinen mächtig, macht das die Situation sehr außergewöhnlich und vor allem sehr interessant.
Um elf Stempel in meinem Pass bereichert bin ich nun wieder im kalten Norden Chinas, in Tianjin.
Hinter mir liegen nun fünf sehr ereignisreiche Tage. Der krönende Abschluss war die getrige Busfahrt von Hong Kong nach Shenzhen. Eine wunderschöne Strecke über Berg und Tal immer am Meer entlang mit einem Formel 1-Busfahrer. Hat mir sehr gut gefallen. Der Bus, von 50 Sitzen circa zehn belegt, schien mir ein modifiziertes Fahrwerk gehabt zu haben, sonst wären diese atemberaubenden Kurvengeschwindigkeiten nicht möglich gewesen. Das Einfahren in die Mautstationen mit quietschenden Reifen ließ auch darauf schließen, dass die eingebauten Bremsen nicht zur Serienausstattung gehören. Nah am Limit. Es war zu spüren und zu hören.
Den Samstag verbrachte ich mit meinem Vorgesetzten, den ich in Hong Kong getroffen habe, in Macau. Mit einem sogenannten Tricat fuhren wir mit knappen 100 km/h in 60 Minuten von Hong Kong Island dorthin.
Eine sehr beeindruckende Stadt. Die Mischung aus dem, durch die Kolonialzeit, südländischen Flair, der chinesischen Kultur und dem Asiens-Las Vegas Flair ergibt immer wieder trockene Touristenmünder. Gebäude wie das Grand Lisboa oder das MGM Grand, Plätze wie Largo de Santo Agostinho oder Largo de Lilau und zwischendrin alte heruntergekommene chinesische Hochhäuser. Grotesk. Nichts desto trotz eine sehr schöne Stadt.
(Früher konnte man mal mit dieser Kanone aufs offene Meer schießen. Quasi durch das Grand Lisboa.)
(Mitten in der Stadt ein chinesischer Tempel im Berg.)
Höhepunkt des Tages war der abendliche Besuch des Macau Towers. In über 200 Meter Höhe eine atemberaubende Rundumsicht auf Macau. Der sogenannte Skywalk machte den Macaubesuch dann perfekt. In Worten einfach nicht zu beschreiben.
(233 Meter über dem Boden. Ohne Geländer. Gesichert mit einem Seil und einem Autogurt. Kuhl.)
Mit immer noch reichlich Adrenalin im Blut ging es dann, im Gegensatz zu morgens, dieses mal mit dem etwas langsameren Tragflächenboot Jetfoil nachts zurück nach Hong Kong.
Hong Kong. Eine einfach unglaubliche Stadt. Der Inbegriff des Kapitalismus’ im asiatischen Raum. Das erste was ich beim verlassen des Piers sah, war ein Ferrari 599 GTB Fiorano. Der erste Maybach lies auch nicht lange auf sich warten. Fahrzeuge in dieser Preisklasse sind in Hong Kong keine Seltenheit.
Freitagabend genossen wir im 34. Stock auf Hong Kong Island bei souliger Live-Musik alkoholische Mixgetränke und die Sicht auf die Skyline. Ein einfach unglaublicher Lebensstil. Wie ich später an diesem Abend von einem HK-Chinesen erfuhr ist allerdings der Preis für eben diesen Lebensstil, gerade für junge Menschen, sehr sehr viel Arbeit. Diesen sind jedoch sehr viele bereit zu zahlen um sich eben den, meinem Eindruck nach größtenteils von europäischen Geschäftsleuten vorgelebten, Lebensstil leisten zu können.
Zurück im Hotel brauchte ich beim Anblick der Skyline von meinem Zimmer aus eine Weile um die Eindrücke dieser Stadt, sogar um alleine dieses Stadtbild, zu verarbeiten. Das sind Eindrücke, die man nicht vergisst. Genau so wie jene aus Mocambique oder der Transkei.
In meinem Kopf sind diese Eindrücke nicht durch tausende von Kilometern getrennt.