Sonntag, 2. November 2008

Plagiatemarkt

Zum Wochenausklang und um ein bisschen von der Arbeit abzuschalten, sind ein paar Kollegen und ich heute mit zwei Taxis zum Plagiatemarkt am Hafen gefahren, ca. 50 km von hier. Allein die Taxifahrten dorthin und zurück waren schon wieder ein Erlebnis für sich. Standstreifen, zwischen zwei Lastkraftwagen hindurch, im Gegenverkehr, Rückwärts auf der Autobahn, Wenden auf der Autobahn … man nehme sich die allgemeinen Verkehrsregeln (§1-§35) der deutschen StVO (Straßenverkehrsverhal-

tensvorschläge – wie die auf StVO kommen ist mir bis heute ein Rätsel, aber gut. Mein Institut heißt Institut für Produktionstechnik, abgekürzt wbk. Abkürzungen sind wahrscheinlich meistens „historisch bedingt“.) und stelle sich immer das Gegenteil von dem vor, was da steht. Genau so wird hier gefahren. Allerdings habe ich mich heute relativ sicher gefühlt im Vergleich zu den Fahrten mit meinem Kollegen letztes Wochenende.

Vom Plagiatemarkt gibt es soweit nicht viel zu erzählen als, dass wirklich ALLES kopiert wird. Möglich oder nicht. ALLES wird kopiert. Das kann man sich mal wieder nicht vorstellen. Ursprünglich wollte ich diesen Post mit Bildern von den schönsten Plagiaten unterstreichen. Leider habe ich kaum Bilder geschossen, da die Plagiate alle nicht zu erkennen waren bzw. so gut kopiert wird, dass die Unterschiede zwischen Plagiat und Original wirklich nur sehr klein sind. Oft ist es nur der Preis, der das Plagiat enttarnt. Ein iPhone 3G für 320 € (Startpreis(!), sprich ca. 100-120€) ist schon verdächtig. Selbst wenn eine LKW-Ladung mit Originalen mal unbeaufsichtigt herumstand, wären die schön blöd wenn die die Eifons für weniger als 600€ verkaufen würden. Und blöd sind die Gewiss nicht. Will man das Original, gibt’s das hier in China nicht billiger wie in Deutschland. Im Gegenteil meistens. Digitalkameras sind hier sogar teurer (die Originale nicht chinesischer Hersteller natürlich). Kopierte Produkte werden einem natürlich hinterher geworfen. Wie funktionstüchtig die sind, ist natürlich fraglich. Einer meiner Kollegen hatte sich vergangene Woche ein Ladekabel für sein Mobiltelefon für 5 € gekauft, welches beim 1. Einstecken Zuhause abgeraucht ist.

(der Plagiatemarkt (ein winzig kleiner Teil davon).)

(in der Fussgängerzone dort immer wieder solche Skulturen. Bizarr.)

Aufgrund meines hervorragend geschulten Kennerblickes und meinen wenigen Prozenten Sehstärke entdeckte ich auf diesem Markt die einzige originale Rolex. Sofort hatte sie mich in ihren Bann gezogen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einigen Minuten der Aufregung und der Atemlosigkeit galt es nun dem Verkäufer dieses Prachtexemplars klarzumachen, dass ich im Moment keine 20.000€ bei mir führe. Nach langem hin und her und einigen schauspielerischen Meisterleistungen meinerseits war er bereit mir dieses Meisterstück für 8 € zu überlassen, was er dann auch tat. Das kürzen des Armbands war natürlich im Preis inbegriffen, versteht sich von selbst bei Rolex.

Nun kann ich mich also stolz zu dem elitären Kreis der Rolexbesitzer zählen. Es erwarten mich also ab heute unzählige neidische „man-der-Junge-hats-geschafft“-Blicke. Das Gefühl von Unbekanntheit und vor allem von Unerkanntheit gehört nun der Vergangenheit an. Unbeschreiblich.

(mein ganz persönliches Original)

Der Markt bestand aus unzähligen kleinen Händlern, die einem so ziemlich alles andrehen wollten, was man sich nur vorstellen kann. Von der Nagelschere bis zur Dachrinne einfach alles. Darunter sehr sehr viel Elektronik (=Schrott). Darauf stehen die Chinesen. Leuchten muss es und bewegen muss sichs. Welche Funktion es erfüllt ist zweitrangig. Für uns Europäer nicht ganz nachvollziehbar. Jedoch deshalb nicht minder spannend. Im Gegenteil.

(hat mir gut gefallen)

Ich kaufe ab und zu doch mal gerne den einen oder anderen Blödsinn beim Online Auktionshaus Ebay ein. Die ganzen Billigprodukte die es auf Ebay bei uns gibt, habe ich hier auf dem Markt wiedergefunden. Für ein Bruchteil von dem, was diese bei uns Kosten. Egal was. USB-Sticks, Queues, mp3-Player, Taschenlampen, Zippos … einfach alles. Einige dieser Produkte habe ich sogar selber für ein vielfaches von dem, was sie hier kosten erworben. Man kann sich gar nicht vorstellen, was alles hier in China produziert wird. Das sieht man auf solchen Märkten am Preis (den man sich übrigens hier in China immer erfragen muss. Preisschilder gibt es nicht. Alles Verhandlungsgeschick.).

Nach einem kurzen Besuch in einem richtigen Elektromarkt (vergleichbar mit Media Markt, nur mit viel viel mehr Ware auf viel engerem Raum) sind wir zum essen auf mein Drängen hin mal wieder in ein typisch chinesischen Restaurant. Das hat mich ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet. War nicht so leicht, da ich meine Energie ja schon für meine schauspielerische Einlage beim Uhrenhändler verpulvert hatte.

(ich habe noch nie so viele Mobiltelefone wie in diesem Elektromarkt gesehen!)

Schließlich saßen wir in diesem typisch chinesischen Restaurant, was wirklich nicht so appetitlich aussah. Wir wären da auch nie rein, wenn unsere Taxifahrer (die übrigens die ganze Zeit mit uns waren) uns da nicht hingelotst hätten. Zu essen gab es wie immer viele Gerichte, von denen die meisten sehr lecker waren. Wir haben einfach quer durch die Karte bestellt, ohne zu wissen, was das genau ist. 15 € für neun Gerichte und sieben Bier gab uns keinen Anlass zu protestieren.

Von der Heimfahrt habe ich dann nicht mehr so viel erlebt, da ich im Taxi eingeschlafen bin und kurz vor dem Hotel wieder aufgewacht bin. Mein Kollege aus Hamburg stellte bei der Auffahrt zum Hotel fest, dass Liu (unser Taxifahrer) das gut gemacht hat und er selbst jetzt ein Bier braucht.

(mein persönliches Highlight heute. Die sind so geschickt programmiert, dass die tatsächlich 32,64,80,160 ... Gb anzeigen. Wirklich kuhl.)

2 Kommentare:

brav0 hat gesagt…

Über dein neues Schmuckstück hättest du aber nochmal mit nem feuchten Lappen gehen können, sieht ja ganz abgegriffen aus....

Felix hat gesagt…

used look heißt das. ist gerade sehr angesagt.