Gleich an meinem 3. Abend wurde ich zu einem Empfang in ein traditionell mongolisches Restaurant mitgenommen. Geladen hatte einer der Auftraggeber (es gibt mehrere. D.h. nicht nur Airbus. Airbus ist viel mehr ein Kunde. Alles sehr kompliziert hier, steig da auch noch nicht so ganz durch. Weitere Erläuterungen irgendwann später mal).
Solche Empfänge werden veranstaltet, damit man sich kennenlernt, dass man mit der chinesischen Seite und den Vertragspartnern auch „privat“ mal in Berührung kommt und vor allem wegen einem: Image. Da steckt glaube ich sehr viel Politik dahinter. Aber dazu werde ich erst zu einem späteren Zeitpunkt was posten, dafür ist es nämlich jetzt zu früh.
Zurück zu den Mongolen:
Veranstaltungsort war ein riesiges mongolisches Restaurant. Relativ nobel. Meine Begeisterung/Aufregung hielt sich jedoch in Grenzen, da meine Chefs mir vorher schon erzählt hatten, was an diesem Abend so alles passieren wird.
Mit Skepsis betrat ich also dieses Restaurant, was sehr gewöhnungsbedürftig roch. Men gewöhnte sich jedoch schnell an den Geruch bzw. es fiel einfach nicht mehr auf. Für uns Langnasen ist das alles eben ein wenig fremd. Meine Kollegen und ich wurden herzlichst empfangen und in einen schön dekorierten Saal geführt. Dort Platz genommen (natürlich erst, als der Gastgeber eintraf und Platz nahm (sehr wichtig hier in China), wurden auch schon die ersten Gerichte serviert. Gegessen wurde natürlich wieder mit Stäbchen, so zu sagen ohne Teller. Die Gerichte waren auf einer sich drehenden runden Glasplatte gestellt, wo jeder einfach direkt aus den Tellern, in denen die Gerichte sich befanden, aßen. Dazu gab es chinesisches Bier, welches wie Becks Gold schmeckt (jedenfalls die Sorte (Tsingtao), die sie eben da hatten).

Nach der kurzen Ansprache der Gastgeber fing dann die Show an. Die Tür öffnete sich, und rein kamen singende Mongolen in traditioneller Bekleidung. Ihnen folgten auf 5 Rollwägelchen 5 GANZE gekochte Lämmer. Mit Hörner, Augen, Zähnen und allem. Nichts weggeschnitten.

In einer zeremoniellen Feier, mit traditioneller mongolischer Live-Musik und Gesang hatten die ganzen Projektmanager dann die Aufgabe die Lämmer, in einer bestimmten Art und Weise, zu zerlegen. Nachdem dies geschehen war, fing der Teil an, der mir persönlich nicht sooo gut gefallen hat. Nachdem die Lämmer zerlegt wurden, musste (!) jeder (ca. 100 Leute) drei Schüsseln (tiefe Suppenteller, ca. 2.5 Liter) Bier trinken. In der Mongolei ist es Brauch, nachdem zerlegen der Lämmer drei Schüssel gegorene Milch zu trinken. Wieso und weshalb weiß ich leider noch nicht. Hatte leider noch keine Zeit das nachzulesen. Jedenfalls vertragen wir Langnasen das nicht, deshalb gibt’s halt chin. Bier in den Schalen. Hat man die drei Schüsseln geext (!), bekam man dafür einen mongolischen Schaal. Und drücken konnte man sich da nicht drum. Hatte mich extra halb hinter eine Tür postiert, aber nix wars … Da sind die ganz schön hartnäckig gewesen. Deswegen fand ich diesen Teil der Zeremonie nicht so toll. Aber dadurch, dass das Bier ein Beck’s Gold-Verschnitt war, ging es. Während des gesamten Prozedere hat man natürlich fleißig gegessen und es wurde immer weiter aufgetischt.

Das Essen war wirklich vorzüglich. Ich, der kein Lamm mag, hab das Lammfleisch mit Genuss verzehrt! Auch an diesem Abend kamen mir viele Gerichte wieder sehr vertraut vor. Lustiges Gefühl, weil ich mich nicht direkt an meine Zeit in China erinnern kann.´

Zu später Stunde (eigentlich noch relativ früh ca. 21.30 Uhr), wurde man dann von den Mongolen zum Tanz aufgefordert. Da hab ich mich dann aber erfolgreich drum gedrückt. Ich hab dem Tanzen das Tablehopping dann bevorzugt und hab dadurch viele Leute von der Baustelle kennengelernt. (Wenn ich von Baustelle rede, meine ich die Flugzeugmontage) An diesem Punkt werde ich den Abend für diesen Post beenden, da mein Blog öffentlich ist und bei den Kollegen sehr viel Alkohol geflossen ist (ich habe mich nach den drei Schalen Bier zurückgehalten und mich eher auf das wirklich sehr leckere Essen konzentriert). Nur um der Vorstellung ein bisschen auf die Sprünge zu helfen: als ich und ein paar Kollegen die Party gegen 23 Uhr verließen hat ein Kollege der Firma X, der relativ hoch in der Firmenhierarchie steht, am Mikro eine A cappella Version von R. Williams Song ‚Angel’ zum Besten gegeben …
Im Hotelzimmer angekommen, musste ich feststellen, dass die drei Schalen Bier mir ganz schön den Helm verdreht haben. Dementsprechend eng saß die Mütze heute Morgen. Jedoch hatte ich einen sehr produktiven Tag. Kollege H. war an diesem Abend leider nicht dabei. Allerdings war ein anderer Kollege dabei, den ich Dienstag¬abend in der Hotelbar/Restaurant (weiß nicht, was das eigentlich sein soll) kennengelernt habe. Sehr interessanter Mensch. Deutscher, der sich vor 10 Jahren nach Brasilien abgesetzt hat. Gewachsenen Alters und sehr Weise. Sein ganzes Leben lang auf der Welt unterwegs. Sehr interessante Ansichten. Sehr kernig. Erfolgreicher Freiberufler. Fliegt morgen leider weiter nach Shanghai.
So, jetzt noch die Tagesschau von gestern und ab ins 2 m große Bett, ganz ohne meine Caro … aber morgen früh steh ich um 5 auf, dass wir telefonieren können!
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