Donnerstag, 23. Oktober 2008

Die Mütze sitzt eng

5 Uhr China Standard Time (CST). Mein Wecker klingelt. Grund: ich hab ihn gestellt.

Alle zwei Tage stehe ich nämlich schon um 5 auf um mit meiner Liebsten zu telefonieren. Bei sechs Stunden Zeitunterschied und zwei Berufstätigen ist das alles nicht so einfach. Jedoch ist (fast) nichts unmöglich.

Heute Morgen kam allerdings noch ein erschwerender Aspekt hinzu: ich hatte nur ca. 4 Stunden geschlafen und einen leichten Kater. Mein Chef hat gestern Abend mal wieder zu Tisch gebeten. Ein ziemlich großer Teil unserer chinesischen Arbeiter ist heute Nacht nach Hause gefahren (fast alle Arbeiter hier kommen nicht aus dieser Umgebung). Als Zeichen des Dankes für die gute Zusammenarbeit und des guten Ergebnisses wurden alle eingeladen. Geladen wurde in ein „gut bürgerliches“ chinesisches Restaurant. Zu essen gab es alles, was man sich nur vorstellen kann … von Fisch bis Hühnerfüße einfach alles. Die Bedienungen haben nicht aufgehört Essen aufzutischen. In China ist es üblich nicht nur ein Gericht zu bestellen sondern sehr viele unterschiedliche. Bis auf den Fisch hat mal wieder alles sehr gemundet. Komischerweise habe ich mich aber nicht überfressen. Ich glaube das liegt an den Stäbchen. Denn seitdem ich hier bin kann ich mich nicht an eine einzige Mahlzeit erinnern, an der ich mich überfressen habe, so wie ich das häufiger in Deutschland tue (vorzugsweise bei der Mama meiner Caro :-)).

Zum Essen gab es natürlich reichlich Bier. Die Chinesen sind ein sehr trinkfreudiges Volk, vor allem wenn sie eingeladen werden. Sonst können die sich das kaum leisten. Wir waren ca. 50-60 Gäste. Darunter wir, siebeneinhalb Langnasen (eine ist besonders lang). Selbstverständlich wollte die Mehrheit aller Chinesen mal mit uns anstoßen. Jedoch nicht gleichzeitig, sondern immer einzeln … dabei muss bei jedem Anstoß das Glas geleert werden! Es sind zwar nur 0.2 Liter Gläser, aber die Quantität macht es aus. Nach den ersten paar hab ich mich erfolgreich aus der Menge ausgeklinkt indem ich das Ganze mit vielen Fotos festgehalten habe. Viele der Anwesenden wurden unter dem Einfluss des Ethanols fotogeil.

Öffentlicher Blog, d.h. ich überspringe den Hauptteil des Abends. Als auch der letzte Chinese das lokal im zurückgebildeten aufrechten Gang verließ, tranken meine Kollegen und ich noch ein letztes Bier. Der Abend endete mal wieder mit einer lustigen Elektrodeiradfahrt Heim ins Hotel. Wieder ohne Licht, diesmal bei strömendem Regen.

Was an diesem Abend wirklich sehr schön zu sehen war, sind die Freundschaften die sich hier gebildet haben. Einer unserer Monteure ist heute auch nach Hause geflogen. Der war hier ein Jahr lang. Das muss man sich mal vorstellen. A. kam hier her mit dem Auftrag zwei der Bauplätze der Flugzeugmontage zu bauen. Zur Seite standen ihm viele Chinesen denen er Anfangs weder was sagen konnte noch was zeigen konnte (in der westlichen Welt gibt an ganz andere Gesten, haben Bewegungen ganz andere Bedeutungen). Er kann mittlerweile mit den Chinesen kommunizieren, ohne ein Wort Chinesisch zu können. Versteht aber was der Chinese auf der Baustelle zu ihm auf Chinesisch sagt. Wirklich faszinierend. So ein herzliches Volk! Der Abschied war für beide Seiten nicht leicht …

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