Mittwoch, 29. Oktober 2008

Ausflug zur Mauer (1)

Am Samstagmittag haben drei Kollegen und ich uns erlaubt, schon um halb 2 Feierabend zu machen. Der Grund war unser Vorhaben die chinesische Mauer am Wochenende zu besichtigen.

Mit dem Taxi ging es in die Stadt wo unser Leihwagen hätte auf uns warten sollen. Hätte sollen. Nach langem hin und her zwischen meinen drei chinesischen Kollegen und dem Schlipsträger der Verleihfirma kam unser VW Santana 2000 dann um die Ecke gerollt, inklusive drei Mitarbeiter der Firma. Dieses Empfangskomitee bestand aus zwei Polierern, die den Wagen vor unseren Augen noch weiter auf Hochglanz gebracht haben und einem Verleiher, der mit einem meiner Kollegen (der Fahrer) alle (äußerlichen) Mängel durchgegangen ist. Die technischen Mängel kamen erst während der Fahrt zum Vorschein. Ungeachtet dieser holte mein Kollege dennoch alles aus der 1.8 Liter Maschine raus, was es nur zu holen gab. Das war erstaunlich viel und mir alles andere als geheuer. Kombiniert mit dem chinesischen Fahrstil und Verkehr gab das einen nervösen Felix. Jedenfalls bin ich froh jetzt wieder in Tianjin zu sein. (zum chin. Verkehr mehr in einem späteren Post)

Als der Taxifahrer uns aus der Stadt gelotst hatte, wofür er nichts wollte (!!!), kamen wir auf die Autobahn. Teuer aber neu und leer. Nach circa 40 min (gefühlte 200 km) und etlichen Flatulenzen meiner Mitfahrer hatten wir dann auch schon das Ende der Autobahn erreicht. Mit einem male tauchten Berge auf und in diese ging es dann auch. Ziel war ein kleines verlassenes Dörfchen direkt an der chinesischen Mauer. Nach zweieinhalb Stunden akustischer Vergewaltigung meines Gehörs durch Hits wie ‚Hit me baby one more time’ oder ähnlichen Songs von ähnlichen Größen, welche auf Endlosschleife liefen, beflügelten mich fast die absolute Ruhe und die frische Luft in den Bergen. Während die Dunkelheit über uns brach, suchten wir uns ein Hotel aus. Dieses Dörfchen bestand quasi nur aus Hotels. Jedoch nicht Hotels, wie das Best Westen Byronn in dem ich derzeit Nachts meine Ruhe finde, sondern kleinen Familienhotels. Rustikal. Für 7 Euro pro Nase (lang oder kurz) pro Nacht und drei üppigen Mahlzeiten kann man auch nicht viel mehr erwarten.

(unser Hotel)

(Eines unserer zwei Zimmer. Die Tür lies sich nicht schließen.)

(Ein Esszimmer geschweige denn ein Restaurant oder Speisesaal sucht man in diesem Hotel vergebens. Am Abend und am Mittag haben wir im Gang gespeist und ...)

(... am Morgen haben wir im Zimmer des Sohnes der Familie gegessen. Jep, mein Kollege Bin sitzt auf dem Bett.)

Nach dem Abendessen verspürte einer meiner Kollegen den Drang einen Spaziergang zu machen. Seltsames Volk, diese Chinesen. Als wir nach 5 min Fußmarsch im Dunkeln allerdings das ganze Dörfchen abgelaufen hatten, kauften wir in einem Supermarkt noch zwei Stapel Karten und Orangen. Bio laut einer meiner Kollegen, der derzeit an der TU Clausthal (jep, ein Chinese in Clausthal) studiert und auch wie ich ein Praktikum hier in Tianjin macht.

(Der Supermarkt)

Zurück im Hotel wollten meine Kollegen mir ein chin. Kartenspiel beibringen. Als ich das 1. Spiel begriffen hatte, stellte sich heraus, dass man für Dieses Schnaps braucht. Hatten wir nicht. Das 2. Kartenspiel konnten meine Kollegen mir irgendwie nicht so richtig vermitteln. Allerdings stellte ich beim Spielen fest, dass dieses Spiel einem Spiel sehr ähnelte, welches ich in Karlsruhe mit Studienkollegen Nächte lang mit viel Bier und Zigaretten gespielt hatte, somit sogar betrunken beherrsche. Das war deren Pech.

(Die Zockerrunde ... mit Wasser und ohne Zigaretten.)

Als die ersten Karten durch die Luft flogen, beendeten wir den Abend mit unseren Mobiltelefonen. Meine Kollegen telefonierten und ich schrieb meiner Liebsten Caro eine SMS.

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