Dienstag, 14. Oktober 2008

Ankunft in Tianjin (2)

In Stockholm (eigentlich Arlanda, nördlich von Stockholm) gelandet musste ich erstmal gefühlte 5 km laufen (tatsächlich waren es glaube ich viereinhalb oder so). Das war zum Teil ganz schön gruselig, da in dem Flughafen die Bordsteine schon hochgeklappt waren (ca. 22 Uhr!) und man durch ewig lange weiße Gänge geführt wurde, gen Licht …

aber auch wieder ein wunderschöner Flughafen mit viel Holz.

Eigentlich gilt auf dem gesamten Flughafen­gelände striktes Rauchverbot. Für die armen Raucher hat man allerdings hier und da ein paar Raucherboxen aufgestellt. Mit Raucherboxen mein ich nicht kleine Raucherzimmer, sondern wirklich Raucherboxen bzw. viel mehr Raucherlitfasssäulen. Schön durchsichtig verglast, dass die Raucher leicht identifiziert werden können. Die haben ein bisschen blöd geguckt, wie ich die fotografierte :-).

Am richtigen Gate dann, traf ich einen Kollegen meiner Firma, der mit mir auf die Baustelle nach China flog. Ein hamburger Originohl. H., Baustellenleiter par excellence. Seine größte Sorge galt der Beschaffung der Bildzeitung in China. Ein sehr amüsanter, kerniger und durchaus sehr netter Kollege. Verstehen uns sehr gut und waren glaube ich beide froh, dass wir den Wehch auffe :-) Baustelle nicht alleine beschreiten mussten.

Der Flug nach Peking erfolgte dann endlich mit einem richtigen, wunderschönen Flugzeug des Typs Airbus A340-300. Wahnsinn dieses Flugzeug. Mit einem MTOW (Maximum Take Off Weight) von 270 Tonnen(!), gleitet es mit knapp 900 Kilometern pro Stunde in einer Höhe von ca. 12 km sanft, majestätisch durch die Lüfte ohne jegliche Ruckelei. Zugegen, das Wetter hat auch mitgespielt. Wir hatten absolut keine Turbulenzen. Nichts desto trotz muss man sich mal vorstellen, welche Dimensionen da der Schwerkraft entgegenwirken. Unfassbar. Zudem kam noch hinzu, dass H. und ich die besten Plätze im Flugzeug erwischt hatten: 31G und H, Sitze vor einem der Notausgänge. Mehr Beinfreiheit wie in der Business Klasse. Wir konnten unsere Beine wirklich komplett ausstrecken. Das machte den Flug sehr angenehm.

H. versteht es Konversationen kurz und knapp zu halten indem er nur Feststellungen äußert oder nur Fragen stellt auf die er keine Antwort erwartet. Das gefällt mir gut und ist sehr amüsant. Ich muss sagen, dass ich mich da schnell angepasst hab. ‚Wat is dat denn hier?’ ‚Wat macht der denn da jetzt?’ ‚So, mal gucken wat da jetzt in der Zeitung steht!’ Natürlich im feinsten Hamburger Dialekt. Kaum war der Flieger 5 m in der Luft schaut H. sich um und wirft die Frage in den Raum ‚So, wo gibt es hier jetzt was zu saufen?!’. Wir hatten viel Spaß (der immer nur von kurzer Dauer war) auf dem Flug. H. ist starker Raucher und dementsprechend ist auch seine Lache.

12:3x chinesische Zeit landeten wir in Peking. Das Wetter war schön, dennoch sah man wegen der Luftverschmutzung nicht viel. Dazu aber später mehr. Gelandet sind wir in Peking auf dem neuen Flughafen. So ein gigantisches Bauwerk habe ich schon lange lange nicht mehr gesehen! Unbeschreiblich. Kann man einfach nicht in Worte fassen. So ein monströses Bauwerk.

Jedoch qualitativ nicht so hochwertig wie Kollege H. beim Vorbeigehen an einer Schweißnaht an einem Stahlträger feststellte ‚Ach guck mal die Schweißnaht. Das ist doch zum Davonlaufen.’.

Am Flughafen wartete ein Fahrer auf uns. Die einzigen englischen Wörter die er konnte waren Hello, Yes und Airbus (, hab ich am Anfang auch nicht verstanden). Bis ich das allerdings merkte dauerte eine Weile, da er immer fleißig mit Yes, Yes auf meine Fragen antwortete. Dann hab ich es mit ein paar chinesischen Wörtern versucht was ihn unglaublich gefreut hatte. Wie es sich in China gehört wurde uns im Auto als erstes erstmal eine Zigarette angeboten.

Aus Peking endlich rausgefunden kamen wir auf den ExpressHighway. Für die Olympiade wurden rund um Peking so viele Autobahnen gebaut, das kann man sich nicht vorstellen 3,4,5 spurig. Jetzt sind die natürlich alle wie leer gefegt, da das Befahren dieser unbezahlbar ist. Alleine von Peking nach Tianjin (ca. 120 km) hat unser Fahrer ca. 30 Euro bezahlen müssen. Die Fahrt hat 50 gekostet … Während der Fahrt wurden wir mit einem Mix aus europäischer Fahrstuhlmusik und moderner chinesischer Loungemusik bedudelt. Nicht zu vergessen, zwischen drin Klassiker wie Hotel California oder Stairway to Heaven. Aus Peking draußen wurde uns zum 1. mal die Umweltverschmutzung bewusst. Man kann keine 500 m weit gucken. Wirklich keine 500 m weit. Das ist unfassbar. Kollege H. dazu ‚Da kann man ja Krabbenkilometer weit kuggn.’.

Wie es sich gehört, hat der Fahrer sich dann irgendwann verfahren und schien sehr verzweifelt zu sein als H. ihn mit den Worten ‚Meister, mach dir nich ins Hemd. Ich bin doch bei dir. Fahr mal gerade aus, ich zeich dir wo das lang geht.’ beruhigte. Nachdem H. und ich lachten und H. den Meister auf die Schulter klopfte und er auch lachte schien er tatsächlich ein bisschen beruhigter zu sein. Im Endeffekt hat er dann auch festgestellt, dass er doch nicht falsch gefahren ist, jedenfalls haben H. und ich seine Zeichen so gedeutet.

Nach ca. 2 Stunden Fahrt sind wir dann am Hotel angekommen. Verwirrung. H. ‚Meister, wir müssen eigentlich auffe Baustelle!’. Na ja, das be-yes-te er natürlich. Also gut, auffer Baustelle anrufen. Dies ergab, dass wir noch hätten kommen sollen, aber das jetzt auch egal ist. Jedoch hätten wir noch einen Dritten mitnehmen sollen … H. ‚Jo, so ist das hier.’. Damit hatte sich das Problem für uns erledigt. Wir wissen bis heute nichts von dem Kollegen. Wahrscheinlich gabs den nie.

Im Hotel eingecheckt, genossen wir noch ein Bier und ließen den Abend dann gemütlich ausklingen. Ich in meinem Zimmer am Laptop und H. an der Hotelbar.

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