Am nächsten Morgen wurde ich von dem Geschrei mehrerer Hähne sanft geweckt und musste feststellen, dass ich überraschend gut auf dem doch eher brettigen Bett geschlafen hab. Selbst die gefriertruhenartigen Temperaturen konnten mir nichts anhaben. Das lag aber glaub ich zu einem großen Teil an den selbst gestrickten Wollsocken von Muttern und an meiner langen Unterbuchs.
Ich döste noch eine Weile in meinem warmen Bett vor mich hin, mit der kalten, frischen Bergluft im Gesicht, als die alte Dame des Hotels (die Mutter glaub ich) plötzlich vor unserer Zimmertür stand und uns in einer Art und Weise zum Essen bat, die Aufschluss darüber gab, weshalb die hälfte der Fenster in diesem Hotel nicht mehr existent waren. Es war viertel nach sieben. Später erfuhr ich von einem meiner Kollegen, dass die alte Dame recht stinkig war, weil wir so lange geschlafen hätten.
Das Gebrüll der alten Dame noch im Schädel nachhallend begaben wir uns zum Speisesaal, welcher dieses mal das Kinderzimmer des Sohnes war. Zum Frühstück gab es wieder wie zum Abendessen auch Unmengen zu essen. Keine Ahnung was. Nur die Eier hab ich erkannt. Bis auf die Suppe (ich glaube eine Maissuppe), war alles wie immer vorzüglich.
Vom Frühstück gestärkt ließen wir uns mit einem witzigen Gefährt ganz hoch auf einen Berg fahren. Von dort sind wir dann auf der chinesischen Mauer wieder runter gelaufen. 4 Stunden lang. Unzählige Stufen. Von den insgesamt 6300 Kilometern, sind wir ca. 3954 gelaufen. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Kann man nicht in Worte beschreiben, muss man gesehen haben. Mao hatte Seinerzeit mal gesagt, dass man kein Held sein kann, wenn man nicht mal auf der Mauer gewesen ist. Noch mehr Informationen zur chinesischen Mauer findet man glaube ich im Internet, ansonsten an der chinesischen Mauer selbst.
Wirklich sehr beeindruckend. Dazu kommt noch, dass zum Einen die Saison gerade ausläuft und zum Anderen diese Stelle der chinesischen Mauer nicht so bekannt ist, deswegen so gut wie keine Touristen unterwegs waren. Europäer schon gar nicht.
(Der Reiz des verbotenen.)
(Mitten in der Wildnis. Voller Handyempfang. Meine Kollegin am Arbeiten auf der chinesischen Mauer.)
(Das Dorf an der Mauer, in dem unser Hotel war.)
Zurück im Hotel, bekamen wir im Gang wieder ein sehr leckeres Mittagessen, welches mir aber leider leichte Magenbeschwerden bescherte. Zum Glück aber erst abends, denn wir sind auf dem Rückweg noch in eine kleine typisch chinesische Stadt (Ji Xian) gefahren, wo wir uns die Fußgängerzone angeschaut haben. Ich bin ziemlich aufgefallen. Nach ein paar Metern wurde ich von vielen kleinen Kindern auf Schritt und tritt verfolgt. Blieb ich länger stehen, bildete sich eine kleine Menschenmenge um mich. Man schaute mich an und unterhielt sich über mich. Vor mir. Hat mich sehr amüsiert.
(Auch in dieser kleinen Stadt natürlich ein KFC. Die Chinesen sind ganz wild auf KFC.)
(Der Bildschirm.)
Alles in allem ein wirklich ganz toller Ausflug. Ich bin meinen Kollegen sehr dankbar, dass die mich mitgenommen haben. Sonst wäre ich nie im Leben dazu gekommen.