Mittwoch, 29. Oktober 2008

Ausflug zur Mauer (2)

Am nächsten Morgen wurde ich von dem Geschrei mehrerer Hähne sanft geweckt und musste feststellen, dass ich überraschend gut auf dem doch eher brettigen Bett geschlafen hab. Selbst die gefriertruhenartigen Temperaturen konnten mir nichts anhaben. Das lag aber glaub ich zu einem großen Teil an den selbst gestrickten Wollsocken von Muttern und an meiner langen Unterbuchs.

Ich döste noch eine Weile in meinem warmen Bett vor mich hin, mit der kalten, frischen Bergluft im Gesicht, als die alte Dame des Hotels (die Mutter glaub ich) plötzlich vor unserer Zimmertür stand und uns in einer Art und Weise zum Essen bat, die Aufschluss darüber gab, weshalb die hälfte der Fenster in diesem Hotel nicht mehr existent waren. Es war viertel nach sieben. Später erfuhr ich von einem meiner Kollegen, dass die alte Dame recht stinkig war, weil wir so lange geschlafen hätten.

Das Gebrüll der alten Dame noch im Schädel nachhallend begaben wir uns zum Speisesaal, welcher dieses mal das Kinderzimmer des Sohnes war. Zum Frühstück gab es wieder wie zum Abendessen auch Unmengen zu essen. Keine Ahnung was. Nur die Eier hab ich erkannt. Bis auf die Suppe (ich glaube eine Maissuppe), war alles wie immer vorzüglich.

Vom Frühstück gestärkt ließen wir uns mit einem witzigen Gefährt ganz hoch auf einen Berg fahren. Von dort sind wir dann auf der chinesischen Mauer wieder runter gelaufen. 4 Stunden lang. Unzählige Stufen. Von den insgesamt 6300 Kilometern, sind wir ca. 3954 gelaufen. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Kann man nicht in Worte beschreiben, muss man gesehen haben. Mao hatte Seinerzeit mal gesagt, dass man kein Held sein kann, wenn man nicht mal auf der Mauer gewesen ist. Noch mehr Informationen zur chinesischen Mauer findet man glaube ich im Internet, ansonsten an der chinesischen Mauer selbst.

Wirklich sehr beeindruckend. Dazu kommt noch, dass zum Einen die Saison gerade ausläuft und zum Anderen diese Stelle der chinesischen Mauer nicht so bekannt ist, deswegen so gut wie keine Touristen unterwegs waren. Europäer schon gar nicht.

(Meine Kollegen und ich.)

(Der Reiz des verbotenen.)

(Mao und ich.)

(Mitten in der Wildnis. Voller Handyempfang. Meine Kollegin am Arbeiten auf der chinesischen Mauer.)

(Das Dorf an der Mauer, in dem unser Hotel war.)

Zurück im Hotel, bekamen wir im Gang wieder ein sehr leckeres Mittagessen, welches mir aber leider leichte Magenbeschwerden bescherte. Zum Glück aber erst abends, denn wir sind auf dem Rückweg noch in eine kleine typisch chinesische Stadt (Ji Xian) gefahren, wo wir uns die Fußgängerzone angeschaut haben. Ich bin ziemlich aufgefallen. Nach ein paar Metern wurde ich von vielen kleinen Kindern auf Schritt und tritt verfolgt. Blieb ich länger stehen, bildete sich eine kleine Menschenmenge um mich. Man schaute mich an und unterhielt sich über mich. Vor mir. Hat mich sehr amüsiert.

(Auch in dieser kleinen Stadt natürlich ein KFC. Die Chinesen sind ganz wild auf KFC.)

(Der Bildschirm.)

Alles in allem ein wirklich ganz toller Ausflug. Ich bin meinen Kollegen sehr dankbar, dass die mich mitgenommen haben. Sonst wäre ich nie im Leben dazu gekommen.

Ausflug zur Mauer (1)

Am Samstagmittag haben drei Kollegen und ich uns erlaubt, schon um halb 2 Feierabend zu machen. Der Grund war unser Vorhaben die chinesische Mauer am Wochenende zu besichtigen.

Mit dem Taxi ging es in die Stadt wo unser Leihwagen hätte auf uns warten sollen. Hätte sollen. Nach langem hin und her zwischen meinen drei chinesischen Kollegen und dem Schlipsträger der Verleihfirma kam unser VW Santana 2000 dann um die Ecke gerollt, inklusive drei Mitarbeiter der Firma. Dieses Empfangskomitee bestand aus zwei Polierern, die den Wagen vor unseren Augen noch weiter auf Hochglanz gebracht haben und einem Verleiher, der mit einem meiner Kollegen (der Fahrer) alle (äußerlichen) Mängel durchgegangen ist. Die technischen Mängel kamen erst während der Fahrt zum Vorschein. Ungeachtet dieser holte mein Kollege dennoch alles aus der 1.8 Liter Maschine raus, was es nur zu holen gab. Das war erstaunlich viel und mir alles andere als geheuer. Kombiniert mit dem chinesischen Fahrstil und Verkehr gab das einen nervösen Felix. Jedenfalls bin ich froh jetzt wieder in Tianjin zu sein. (zum chin. Verkehr mehr in einem späteren Post)

Als der Taxifahrer uns aus der Stadt gelotst hatte, wofür er nichts wollte (!!!), kamen wir auf die Autobahn. Teuer aber neu und leer. Nach circa 40 min (gefühlte 200 km) und etlichen Flatulenzen meiner Mitfahrer hatten wir dann auch schon das Ende der Autobahn erreicht. Mit einem male tauchten Berge auf und in diese ging es dann auch. Ziel war ein kleines verlassenes Dörfchen direkt an der chinesischen Mauer. Nach zweieinhalb Stunden akustischer Vergewaltigung meines Gehörs durch Hits wie ‚Hit me baby one more time’ oder ähnlichen Songs von ähnlichen Größen, welche auf Endlosschleife liefen, beflügelten mich fast die absolute Ruhe und die frische Luft in den Bergen. Während die Dunkelheit über uns brach, suchten wir uns ein Hotel aus. Dieses Dörfchen bestand quasi nur aus Hotels. Jedoch nicht Hotels, wie das Best Westen Byronn in dem ich derzeit Nachts meine Ruhe finde, sondern kleinen Familienhotels. Rustikal. Für 7 Euro pro Nase (lang oder kurz) pro Nacht und drei üppigen Mahlzeiten kann man auch nicht viel mehr erwarten.

(unser Hotel)

(Eines unserer zwei Zimmer. Die Tür lies sich nicht schließen.)

(Ein Esszimmer geschweige denn ein Restaurant oder Speisesaal sucht man in diesem Hotel vergebens. Am Abend und am Mittag haben wir im Gang gespeist und ...)

(... am Morgen haben wir im Zimmer des Sohnes der Familie gegessen. Jep, mein Kollege Bin sitzt auf dem Bett.)

Nach dem Abendessen verspürte einer meiner Kollegen den Drang einen Spaziergang zu machen. Seltsames Volk, diese Chinesen. Als wir nach 5 min Fußmarsch im Dunkeln allerdings das ganze Dörfchen abgelaufen hatten, kauften wir in einem Supermarkt noch zwei Stapel Karten und Orangen. Bio laut einer meiner Kollegen, der derzeit an der TU Clausthal (jep, ein Chinese in Clausthal) studiert und auch wie ich ein Praktikum hier in Tianjin macht.

(Der Supermarkt)

Zurück im Hotel wollten meine Kollegen mir ein chin. Kartenspiel beibringen. Als ich das 1. Spiel begriffen hatte, stellte sich heraus, dass man für Dieses Schnaps braucht. Hatten wir nicht. Das 2. Kartenspiel konnten meine Kollegen mir irgendwie nicht so richtig vermitteln. Allerdings stellte ich beim Spielen fest, dass dieses Spiel einem Spiel sehr ähnelte, welches ich in Karlsruhe mit Studienkollegen Nächte lang mit viel Bier und Zigaretten gespielt hatte, somit sogar betrunken beherrsche. Das war deren Pech.

(Die Zockerrunde ... mit Wasser und ohne Zigaretten.)

Als die ersten Karten durch die Luft flogen, beendeten wir den Abend mit unseren Mobiltelefonen. Meine Kollegen telefonierten und ich schrieb meiner Liebsten Caro eine SMS.

Montag, 27. Oktober 2008

Pausenfüller

Mir fehlen noch ein paar Bilder von meinem Ausflug an die große Mauer, welche sich auf der Kamera meines Kollegen befinden, für meinen nächsten Post. Deshalb die Pausenfüllerbilder.


(ein schöner klarer Tag nach Sturm und Regen)
(der zweite Hangar links ist die Montagehalle in der ich derzeit unterwegs bin, der 1. das Logistikzentrum)
(typisches Klo hier in China)(typisches Baustellenfahrzeug hier)

Samstag, 25. Oktober 2008

Nebeldreck

Diese Bilder entstanden diese Woche Montag gegen halb acht Uhr morgens. Die Sicht lag an diesem morgen bei geschätzten 15 Metern. Also nicht ganz so schlimm wie an meinem 1. Arbeitstag, aber dennoch faszinierend. Man läuft durch den Nebeldreck und mit einem male steht man vor einer 30 Meter hohen Halle, die man nicht gesehen hat. Wirklich unbeschreiblich …

(vor dem Hotel)

(zum Vergleich ein Bild von der gleiche Stelle bei guter Sicht)

(ein typisches Bild auf der Baustelle hier in China: einer baggert und 10 stehen rum. Es gibt ja genug Arbeiter. Die Masse machts ... dazu aber mehr in einem Baustellenpost)

(wie erwähnt, geschätzte 15 Meter. Manchmal mehr, manchmal weniger. Man läuft über die Baustelle und es kann sein, dass man an einer Stelle 20 Meter weit sieht und an einer anderen keine 5 Meter ...)

(mein Favorit: eine einsame Abeiterin im Nebeldreck beim kehren einer Fläche der größe mehrerer Fassballfelder)

(ein chin. Generator. Die erzeugen meiner Ansicht nach relativ gesehen mehr Abgase wie Strom)

(das Haupttor. Mit einem mal taucht es aus dem nichts vor einem auf.)

(zum Vergleich. Das sollte man hinter dem Haupttor sehen.)


Wirklich beeindruckend und unbeschreiblich. Muss man erlebt haben.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Die Mütze sitzt eng

5 Uhr China Standard Time (CST). Mein Wecker klingelt. Grund: ich hab ihn gestellt.

Alle zwei Tage stehe ich nämlich schon um 5 auf um mit meiner Liebsten zu telefonieren. Bei sechs Stunden Zeitunterschied und zwei Berufstätigen ist das alles nicht so einfach. Jedoch ist (fast) nichts unmöglich.

Heute Morgen kam allerdings noch ein erschwerender Aspekt hinzu: ich hatte nur ca. 4 Stunden geschlafen und einen leichten Kater. Mein Chef hat gestern Abend mal wieder zu Tisch gebeten. Ein ziemlich großer Teil unserer chinesischen Arbeiter ist heute Nacht nach Hause gefahren (fast alle Arbeiter hier kommen nicht aus dieser Umgebung). Als Zeichen des Dankes für die gute Zusammenarbeit und des guten Ergebnisses wurden alle eingeladen. Geladen wurde in ein „gut bürgerliches“ chinesisches Restaurant. Zu essen gab es alles, was man sich nur vorstellen kann … von Fisch bis Hühnerfüße einfach alles. Die Bedienungen haben nicht aufgehört Essen aufzutischen. In China ist es üblich nicht nur ein Gericht zu bestellen sondern sehr viele unterschiedliche. Bis auf den Fisch hat mal wieder alles sehr gemundet. Komischerweise habe ich mich aber nicht überfressen. Ich glaube das liegt an den Stäbchen. Denn seitdem ich hier bin kann ich mich nicht an eine einzige Mahlzeit erinnern, an der ich mich überfressen habe, so wie ich das häufiger in Deutschland tue (vorzugsweise bei der Mama meiner Caro :-)).

Zum Essen gab es natürlich reichlich Bier. Die Chinesen sind ein sehr trinkfreudiges Volk, vor allem wenn sie eingeladen werden. Sonst können die sich das kaum leisten. Wir waren ca. 50-60 Gäste. Darunter wir, siebeneinhalb Langnasen (eine ist besonders lang). Selbstverständlich wollte die Mehrheit aller Chinesen mal mit uns anstoßen. Jedoch nicht gleichzeitig, sondern immer einzeln … dabei muss bei jedem Anstoß das Glas geleert werden! Es sind zwar nur 0.2 Liter Gläser, aber die Quantität macht es aus. Nach den ersten paar hab ich mich erfolgreich aus der Menge ausgeklinkt indem ich das Ganze mit vielen Fotos festgehalten habe. Viele der Anwesenden wurden unter dem Einfluss des Ethanols fotogeil.

Öffentlicher Blog, d.h. ich überspringe den Hauptteil des Abends. Als auch der letzte Chinese das lokal im zurückgebildeten aufrechten Gang verließ, tranken meine Kollegen und ich noch ein letztes Bier. Der Abend endete mal wieder mit einer lustigen Elektrodeiradfahrt Heim ins Hotel. Wieder ohne Licht, diesmal bei strömendem Regen.

Was an diesem Abend wirklich sehr schön zu sehen war, sind die Freundschaften die sich hier gebildet haben. Einer unserer Monteure ist heute auch nach Hause geflogen. Der war hier ein Jahr lang. Das muss man sich mal vorstellen. A. kam hier her mit dem Auftrag zwei der Bauplätze der Flugzeugmontage zu bauen. Zur Seite standen ihm viele Chinesen denen er Anfangs weder was sagen konnte noch was zeigen konnte (in der westlichen Welt gibt an ganz andere Gesten, haben Bewegungen ganz andere Bedeutungen). Er kann mittlerweile mit den Chinesen kommunizieren, ohne ein Wort Chinesisch zu können. Versteht aber was der Chinese auf der Baustelle zu ihm auf Chinesisch sagt. Wirklich faszinierend. So ein herzliches Volk! Der Abschied war für beide Seiten nicht leicht …

Montag, 20. Oktober 2008

Mein Hotel

In einer meiner vorigen Posts habe ich bereits erwähnt, dass ich für die ersten Wochen erstmal im Hotel untergebracht bin. Dieses heißt ‚Best Western Hotel Byronn’ und gehört der Weltgrößten Hotelkette ‚Best Western’ an (Firmensitz: Phoenix, Arizona). Die Hotels werden als Franchiseunternehmen betrieben, mit der Besonderheit, dass Best Western eine Non-Profit-Organisation ist. Best Western ist somit nur ein Zusammenschluss von ca. 4200 Hotels, die unter dem selben Namen geführt und vermarktet werden. Gewisse Mindeststandards müssen selbstver­ständlich eingehalten werden sowie das Logo geführt werden. Trotz dieser Mindeststandards kann es jedoch zu erheblichen Qualitätsunterschieden kommen zwischen den einzelnen Hotels kommen.

Das Hotel hier in Tianjin hat äußerlich sehr hohe Standards. Es sieht sehr nobel aus und macht einen sehr Professionellen Eindruck. Es liegt für uns hier sehr gut. Wir brauchen 10 min zur Arbeit. Die Franhandelszone in der das Airbuswerk ist sowie das Hotel befinden sich zirka 25 km östlich des Stadtzentrums in einem riesigen Business/Bankenviertel. Ich Blick aus meinem Zimmer auf Zirka 15 Banken. Jedoch darf man sich das nicht so vorstellen, als stünden da 15 riesige, noble Gebäude. Die 30 Banken befinden sich alle in ein und demselben Gebäude. Riesig lang und einfach nur übertrieben, wie vieles hier was neu ist. Von den 50 Banken sind aber immer nur wenige bereit einem Geld auszuzahlen. Stimmungsabhängig. Selbst die Automaten hier ticken ein bisschen anders als bei uns. Des Weiteren sind hier noch etliche Firmensitze von z.B. einigen Stahlherstellern/vertreibern, Airbus und einigen anderen Firmen denen es offensichtlich besser als gut geht, angesiedelt.

(erstaunlich klarer Tag, gestern)

(A propos Sonntag)

Mein Zimmer ist wirklich sehr schön und hat alles was das Herz begehrt und noch mehr. Im Gegensatz zu europäischen bzw. westlichen Standards sind Dinge wie zwei Flaschen Wasser, Kaffee und Tee auf dem Zimmer, Tresor und Internet im Zimmerpreis von 40 € / Nacht inbegriffen. Das Internet hat sogar eine beachtliche Geschwindigkeit. Dass jeden Tag das Zimmer gemacht und geputzt wird finde ich sehr angenehm. Eine wirklich amüsante Idee finde ich die gläserne Wand zwischen Dusche und Bett. Man kann vom Bett direkt ins Bad schauen. Interessant. Das Bad ist mit einer Regendusche, normalen Dusche, einer Badewanne und viel Glanz ausgestattet. Wirklich sehr schön. Ein Manko hat das Zimmer allerdings: die Elektrik. Ich bin seit einer Woche in diesem Zimmer und habe es bis heute nicht geschafft die 11 Lichtschalter den 17 Lichtern zuzuordnen. Dies ist auch nicht möglich wie ich von Kollegen erfahren habe, die hier schon seit Monaten nächtigen. Das kann unter Umständen ziemlich auf den Geist gehen. Gestern Abend zum Beispiel habe ich zum wiederholten mal 5 min gebraucht um alle Lichter auszubekommen. Schaltet man eins aus, geht das andere an (mit ein und demselben Schalter) und so weiter. Ansonsten ist das Zimmer einwandfrei.

Jedoch ist das Zimmer in einem Hotel nur die eine Hälfte. Der Service spielt doch eine sehr große Rolle. Dieser ist jedoch jener, welcher den 1. Eindruck von diesem Hotel ein wenig trübt. Das Bezahlen z.B. ist nicht ganz so einfach, da die ein Deposit-System haben, dass niemand so richtig nachvollziehen kann, die Angestellten auch nicht. Übrigens nicht selten hier in China bzw. sagen wir auf unserer Baustelle. Noch erlaube ich mir keine Urteile, Ansichten oder Pauschalisierungen. Dafür bin ich noch nicht genug lange hier. Des Weiteren gibt es z.B. nur an bestimmten Tagen be­stimm­te Gerichte. Je nach Laune des Kochs, des Einkäufers und des Zulieferers. Das betrifft mich allerdings nicht so stark, da ich nachmittags in der Airbuskantine immer ganz schön tief in den Teller greife (? :-)). Und so gibt es mehrere Kleinigkeiten, die darauf schließen lassen, dass die Mindeststandards des Best Westerns nicht allzu hoch sein können. Die werden schließlich jedes Jahr einmal überprüft.

Alles in allem aber ein akzeptables Hotel wie ich finde. Meine Kollegen sehen das ein wenig anders bzw. ganz anders. Die sind aber auch schon länger hier.

Eines muss noch zum Schluss erwähnt werden: im gesamten Hotel wird man mit europäischer Fahrstuhlmusik beschallt, das ist nicht normal. Noch finde ich es amüsant …

Samstag, 18. Oktober 2008

Schwere Knochen

(Der gestrige Sonnenaufgang)

Gestern hat er mich erwischt. Mit einem kräftigen Schlag. Nichts ahnend saß ich an meinem Schreibtisch und hab fleißig gezeichnet. Gestärkt vom leckeren Mittagessen war ich voller Tatendrang, als mich von einer Sekunde auf die andere meine Kräfte verließen. Mit denen dann auch die Motivation. Es überkam mich eine Müdigkeit, die ich so schon lange nicht mehr erlebt hab. Meine Knochen wurden immer schwerer.

Er hat mich also erwischt, der Jetlag. Ich wurde freundlicher Weise aber von einem Kollegen am Dienstag schon vorgewarnt, dass der Jetlag einen erst nach ein paar Tagen erwischt.

Abends im Hotel angekommen, wollte ich eigentlich ins Bett. Aber mein Chef der Fiesling hatte zum Essen eingeladen, da er nächste Woche im Urlaub ist … hätte er sich doch denken können, dass mich der Jetlag Ende der Woche in die Knie zwingt. Na ja, so sind sie halt da oben.

Das Essen hat aber dafür mal wieder alles entschädigt. Wir waren in einem Restaurant, dass die Langnasen hier ‚Hot Pot’ nennen. Man sitzt an einem runden Tisch, auf dem ein Topf mit zwei verschiedenen Soßen vor sich hinkocht. Um den Topf rum steht das rohe Essen und man schmeißt in den Topf halt rein, wonach einem gerade ist. Wieder mal so lecker, Wahnsinn. Das zu bestellen war allerdings sehr amüsant. Man stelle sich ein chinesisches Restaurant vor, voll nur mit Chinesen. Auf einmal betreten 6 Langnasen das Restaurant. Die Aufmerksamkeit aller Anwesenden war uns sicher. Man gab uns den größten Tisch in der Mitte des Restaurants, von überall aus gut zu sehen. Da die Bedienung selbstverständlich kein Fatz Englisch oder irgendeine andere Fremdsprache beherrschte und mein chinesisch immer noch irgendwo in den unendlichen Weiten meines Cerebrums versteckt ist, erfolgte die Bestellung mit Händen und Füßen. An der Wand hing zum Glück ein Bild von dem, was es alles gab. Fürs Bierbestellen hat mein chinesisch aber gereicht. Akzentfrei und schnell.

Alles in Allem wieder ein sehr netter Abend mit sehr leckerem Essen. Nach Hause sind wir mit einem dreirädrigen Elektromobil gefahren. Auch eine sehr interessante Erfahrung. Licht wird nicht angemacht, da das zu viel Strom verbraucht. Die Kiste könnte ja stehenbleiben. Wir also zu viert in so einem winzigen Fahrzeug ohne Licht, mit offenen Türen auf der sechsspurigen Autobahn, wie das hier üblich ist. Wirklich ein Erlebnis.

Die kurze Nacht (kurz ist hier anders kurz als in Deutschland. Wenn ich hier von einer kurzen Nacht rede, dann mein ich 6 Stunden Schlaf. Das ist bei einem elfstündigen Arbeitstag definitiv zu wenig) und der Jetlag machten den Tag heute nicht gerade zu einem dieser Tage, an die man sich so gerne erinnert. Jedoch wird Samstags nur bis 17 Uhr gearbeitet. Das war eine angenehme Überraschung.

Morgen werde ich mir mal die Stadt anschauen gehen. Das Hotel liegt leider nicht direkt in der Stadt, das ist ein bisschen blöd. Allerdings ist mit dem Taxi für nicht viel Geld natürlich alles zu erreichen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man entweder den Weg kennt oder man einen Zettel hat, auf dem die Adresse und am besten noch die Wegbeschreibung auf chinesisch geschrieben ist. Manchmal hilft aber auch das nicht. Die Chinesen be-ja-en und be-yes-en bekanntlich alles. So auch die Taxifahrer. Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass er weiß wo er hinmuss. Nur wenn man Glück hat. Die grobe Richtung ist zwar immer richtig, aber das letzte Stück muss man ihn dann lenken.

So, jetzt werde ich mich mal der Nahrungssuche und (im Idealfall) der –aufnahme widmen.

(Helios, Zentrum unseres Planetensystems!)

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Mongolischer Abend

Gleich an meinem 3. Abend wurde ich zu einem Empfang in ein traditionell mongolisches Restaurant mitgenommen. Geladen hatte einer der Auftraggeber (es gibt mehrere. D.h. nicht nur Airbus. Airbus ist viel mehr ein Kunde. Alles sehr kompliziert hier, steig da auch noch nicht so ganz durch. Weitere Erläuterungen irgendwann später mal).
Solche Empfänge werden veranstaltet, damit man sich kennenlernt, dass man mit der chinesischen Seite und den Vertragspartnern auch „privat“ mal in Berührung kommt und vor allem wegen einem: Image. Da steckt glaube ich sehr viel Politik dahinter. Aber dazu werde ich erst zu einem späteren Zeitpunkt was posten, dafür ist es nämlich jetzt zu früh.
Zurück zu den Mongolen:
Veranstaltungsort war ein riesiges mongolisches Restaurant. Relativ nobel. Meine Begeisterung/Aufregung hielt sich jedoch in Grenzen, da meine Chefs mir vorher schon erzählt hatten, was an diesem Abend so alles passieren wird.
Mit Skepsis betrat ich also dieses Restaurant, was sehr gewöhnungsbedürftig roch. Men gewöhnte sich jedoch schnell an den Geruch bzw. es fiel einfach nicht mehr auf. Für uns Langnasen ist das alles eben ein wenig fremd. Meine Kollegen und ich wurden herzlichst empfangen und in einen schön dekorierten Saal geführt. Dort Platz genommen (natürlich erst, als der Gastgeber eintraf und Platz nahm (sehr wichtig hier in China), wurden auch schon die ersten Gerichte serviert. Gegessen wurde natürlich wieder mit Stäbchen, so zu sagen ohne Teller. Die Gerichte waren auf einer sich drehenden runden Glasplatte gestellt, wo jeder einfach direkt aus den Tellern, in denen die Gerichte sich befanden, aßen. Dazu gab es chinesisches Bier, welches wie Becks Gold schmeckt (jedenfalls die Sorte (Tsingtao), die sie eben da hatten). Nach der kurzen Ansprache der Gastgeber fing dann die Show an. Die Tür öffnete sich, und rein kamen singende Mongolen in traditioneller Bekleidung. Ihnen folgten auf 5 Rollwägelchen 5 GANZE gekochte Lämmer. Mit Hörner, Augen, Zähnen und allem. Nichts weggeschnitten. In einer zeremoniellen Feier, mit traditioneller mongolischer Live-Musik und Gesang hatten die ganzen Projektmanager dann die Aufgabe die Lämmer, in einer bestimmten Art und Weise, zu zerlegen. Nachdem dies geschehen war, fing der Teil an, der mir persönlich nicht sooo gut gefallen hat. Nachdem die Lämmer zerlegt wurden, musste (!) jeder (ca. 100 Leute) drei Schüsseln (tiefe Suppenteller, ca. 2.5 Liter) Bier trinken. In der Mongolei ist es Brauch, nachdem zerlegen der Lämmer drei Schüssel gegorene Milch zu trinken. Wieso und weshalb weiß ich leider noch nicht. Hatte leider noch keine Zeit das nachzulesen. Jedenfalls vertragen wir Langnasen das nicht, deshalb gibt’s halt chin. Bier in den Schalen. Hat man die drei Schüsseln geext (!), bekam man dafür einen mongolischen Schaal. Und drücken konnte man sich da nicht drum. Hatte mich extra halb hinter eine Tür postiert, aber nix wars … Da sind die ganz schön hartnäckig gewesen. Deswegen fand ich diesen Teil der Zeremonie nicht so toll. Aber dadurch, dass das Bier ein Beck’s Gold-Verschnitt war, ging es. Während des gesamten Prozedere hat man natürlich fleißig gegessen und es wurde immer weiter aufgetischt. Das Essen war wirklich vorzüglich. Ich, der kein Lamm mag, hab das Lammfleisch mit Genuss verzehrt! Auch an diesem Abend kamen mir viele Gerichte wieder sehr vertraut vor. Lustiges Gefühl, weil ich mich nicht direkt an meine Zeit in China erinnern kann.´Zu später Stunde (eigentlich noch relativ früh ca. 21.30 Uhr), wurde man dann von den Mongolen zum Tanz aufgefordert. Da hab ich mich dann aber erfolgreich drum gedrückt. Ich hab dem Tanzen das Tablehopping dann bevorzugt und hab dadurch viele Leute von der Baustelle kennengelernt. (Wenn ich von Baustelle rede, meine ich die Flugzeugmontage) An diesem Punkt werde ich den Abend für diesen Post beenden, da mein Blog öffentlich ist und bei den Kollegen sehr viel Alkohol geflossen ist (ich habe mich nach den drei Schalen Bier zurückgehalten und mich eher auf das wirklich sehr leckere Essen konzentriert). Nur um der Vorstellung ein bisschen auf die Sprünge zu helfen: als ich und ein paar Kollegen die Party gegen 23 Uhr verließen hat ein Kollege der Firma X, der relativ hoch in der Firmenhierarchie steht, am Mikro eine A cappella Version von R. Williams Song ‚Angel’ zum Besten gegeben …
Im Hotelzimmer angekommen, musste ich feststellen, dass die drei Schalen Bier mir ganz schön den Helm verdreht haben. Dementsprechend eng saß die Mütze heute Morgen. Jedoch hatte ich einen sehr produktiven Tag. Kollege H. war an diesem Abend leider nicht dabei. Allerdings war ein anderer Kollege dabei, den ich Dienstag¬abend in der Hotelbar/Restaurant (weiß nicht, was das eigentlich sein soll) kennengelernt habe. Sehr interessanter Mensch. Deutscher, der sich vor 10 Jahren nach Brasilien abgesetzt hat. Gewachsenen Alters und sehr Weise. Sein ganzes Leben lang auf der Welt unterwegs. Sehr interessante Ansichten. Sehr kernig. Erfolgreicher Freiberufler. Fliegt morgen leider weiter nach Shanghai.
So, jetzt noch die Tagesschau von gestern und ab ins 2 m große Bett, ganz ohne meine Caro … aber morgen früh steh ich um 5 auf, dass wir telefonieren können!

Mein 1. Arbeitstag

Mein 1. Arbeitstag begann sehr beeindruckend und zugleich beängstigend. Als ich morgens aus dem Fenster sah, hab ich nichts gesehen. Dachte mir jedoch nichts dabei. Bisschen Nebel halt. Als H. und ich dann zusammen mit einem weiteren Kollegen aus dem Hotel sind um zur Arbeit gefahren zu werden, wurde mir erst das Ausmaß des „Nebels“ bewusst. Ich konnte keine 5 m weit gucken. Es waren wirklich keine 5 m. Unbeschreiblich. Man stelle sich vor, man steht am Heck eines alten Opel Omegas und sieht die Front vom Auto nicht mehr. Genau so war das. Die Autos fahren mit Schrittgeschwindigkeit, Warnblinkanlage und Dauerhupen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer wenigstens hören, dass da noch ein anderes Auto ist. Es wird entweder ganz rechts am Bordstein gefahren oder in der Mitte an der Mittellinie. So orientieren die Fahrer sich bei so einem Wetter. Aber wie das sich natürlich gehört, hat unserer sich verfahren. Aus dem nichts tauchte von eine Sekunde auf die andere vor uns ein parkender LKW auf. H. ‚So Meister, un nu?’. Zum Glück hatten wir noch einen anderen Kollegen dabei, der schon seit ein paar Monaten hier ist und sich daher auskannte.

Am Hauptgate (dazu später mehr) angekommen mussten wir noch auf die andere Seite des Werksgeländes laufen, da die Taxis nicht in das Gelände dürfen. Selbe Spiel, immer am Bordstein. Während des 15 minütigen Fußmarsches hörte man die Baumaschinen ganz in der Nähe arbeiten, sah sie aber nicht. Es ist mir bis heute ein Rätsel wie z.B. der Baggerfahrer bei der Sicht wusste wo er was zu graben hatte …

Ich habe es leider versäumt Bilder zu machen bzw. ich habe mich nicht getraut, da ich dafür hätte stehen bleiben müssen. Das war mir zu riskant. Wie gesagt, 5 Schritte genügten um aus der Sicht zu sein. Kollege A. versicherte mir aber, dass das hier öfter vorkommt.

Ich wiederhol mich nur ungern, aber die Luftverschmutzung ist einfach unvorstellbar. Die Luft ist so schwefelhaltig, das ist Wahnsinn! Man spürt es förmlich wie die Schwefelmoleküle sich ihren Weg durch die Atemwege bahnen. Nach den 6 Monaten muss ich ein paar Wochen in den Schwarzwald um meine Lunge zu reinigen.

(Das ist die Sonne, ohne Filer oder Photoshop)

(von nichts kommt nichts)

Der weitere Verlauf des Tages bestand dann darin meine Kollegen, Vorgesetzte und die Baustelle kennenzulernen.

Kollegen: die Atmosphäre ist sehr angenehm bei uns. Alle verstehen sich sehr gut. Darüber bin ich sehr erleichtert, da das doch sehr viel ausmacht bei der Arbeit.

Vorgesetzte: ziemlich jung und sehr nett. Vorallem sehr kompetent. Weltenbummler. Reisen von Projekt zu Projekt überall auf der Welt.

Baustelle: Wahnsinn! Dimensionen die man sich nicht vorstellen kann. Bin sehr beeindruckt wie so ein riesen Projekt entsteht. Ich hab so ein Glück so was mitzuerleben, da es nur sehr selten vorkommt, dass man auf einer grünen (hier eher grau) Wiesen anfängt zu bauen. Wahnsinn. Ich werde im Laufe der Zeit öfters von der Baustelle erzählen.

Unser Büro ist ein Baucontainer (Bilder folgen irgendwann). Klimatisiert mit Internet und allem was man braucht, echt kuhl. Hier ist es üblich, dass man nichts selber erledigen/besorgen muss. Sicherlich auch, weil man die Sprache nicht beherrscht. Alles wird von unserer Sekretärin erledigt/besorgt. Eine junge Chinesin von unserer Niederlassung in Shanghai. Unglaublich fleißig und fit. Meistens das Telefon am rechten Ohr, das Handy am linken, dabei am Kaffee kochen, am Organisieren, am Abrechnungen Abarbeiten, Visa organisieren und und und.

Unser Büro ist Off-Site. D.h. wir sind außerhalb (direkt am Eingang) des Werks. Das ganze Gebiet ist eine Freihandelszone. Deswegen gibt’s hier viele viele Kontrollen. Mittags gehen wir in der Kantine von Airbus essen, wo wir selbstverständlich hingefahren werden und wieder zurück gebracht werden. Dort gibt es traditionell chinesisches Essen und nur Stäbchen. Tatsächlich, alle Langnasen (so nennen die Chinesen uns) lernen hier mit Stäbchen essen. Echt kuhl. Was es zu essen gibt, weiß ich allerdings nie. Es schmeckt einfach nur geil! Viele Gerichte kommen mir noch sehr bekannt vor, was mich tatsächlich ein kleines bisschen heimisch fühlen lässt. Echt seltsam.

Abends um 7 werden wir dann wieder mit unserem Shuttle nach Hause gefahren, die eine Hälfte ins Hotel, die andere in ihre Wohnungen (wo ich hoffentlich auch bald dazu gehöre). Ach ja, morgens werden wir um halb 8 abgeholt. Fahrtzeit: 5 min, echt kuhl. Hatte mit dem Gedanken gespielt mit dem Fahrrad zu fahren, aber den hab ich dann schnell verworfen. Genauere Erläuterungen folgen mal in einem Verkehrspost.

Geschlafen hab ich leider nicht sooo gut in der Nacht, da die Zeitverschiebung meiner inneren Uhr doch noch ein klein wenig zusetzt.