Ich habe in den drei Tagen in Hong Kong mehr Ferraris, Lamborghinis und Bentleys gesehen wie in den 3 Jahren, in denen ich in Stuttgart gewohnt habe. Auf Hong Kong Island habe ich nicht einen Zigarettenstummel auf dem Boden entdeckt. Nicht ein Mensch hat in meiner Anwesenheit auf die Strasse gespuckt, genossen oder gehustet. Alle Taxis und Busse sowie ein Großteil der Autos auf Hong Kong Island fahren mit Gas. Alle öffentlichen Bedienflächen wie zum Beispiel im Aufzug der Hochhäuser werden min. alle 4 Stunden gereinigt (Sanatized every 4 hours). Es wird nicht bei rot gelaufen. Auf Hong Kong Island sind die Läden der Superreichen wie z.B. Louis Vuitton oder Prada so groß wie ein Karstadt bei uns in Deutschland.
Die Rede ist immer von Hong Kong Island. Das darf man nicht vergessen. Auf dem Festland sieht es vermutlich doch ein wenig anders aus. Ich hatte leider nicht die Zeit, Kowloon oder weitere Stadtteile auf dem Festland zu besichtigen. Samstagabend war ich nur für 2 Stunden auf Kowloon. Dort aber auch nur am Ufer um von dort aus die Lightshow der 12 höchsten Gebäude auf Hong Kong Island anzuschauen. Anschließend habe ich noch eine Stunde lang die Skyline von Hong Kong betrachtet. Einfach unbeschreiblich. Das kann kein Foto festhalten. Muss man selber gesehen haben. Mein Mund war nach diesen insgesamt zwei Stunden ausgetrocknet.
Die Preise in Hong Kong entsprechen dementsprechend der Optik der Stadt. Freitagabend waren wir aus. Das günstigste Bier welches wir konsumierten schlug mit 5 € zu buche. Das war Carlsberg. Nach oben gab es keine Grenze, was dazu geführt hat, dass nun mein Traum vom Eigenheim ganz schön weit in die Ferne gerückt ist. Komischerweise aber hat mich, trotz meiner schwäbischen Wurzeln, das Geldausgeben in Hong Kong in keinster Weise interessiert. Ob fünf, acht oder zwölf Euro für ein Bier, es war einfach geil. Dieser internationale Flair, der, vermute ich, in Hong Kong ziemlich einmalig sein dürfte hat mir irrsinnig gut gefallen.
Gewohnt habe ich bei Freunden von mir aus Namibia, im 58ten Stock auf Lantau Island. Auf dem Balkon im 58sten Stock zu stehen ist schon anders als auf dem Balkon Zuhause im 2. Stock. Auch das lässt sich nicht so richtig mit Worten beschreiben.
Sicher nicht das letzte mal, das ich in Hong Kong war.
Meine Heimreise verlief mehr oder weniger ruhig ohne Zwischenfälle mit der gleichen Maschine und der gleichen Crew wie am Freitag. Das essen war wieder äußerst pampös. Vorzüglich. Anfangs noch ein wenig amüsiert von den unzähligen Rülpsern um mich rum fing ich an gefallen dran zu finden und reihte mich als Sopranrülsper in das Orchester ein. Gegen Ende des Fluges bekam ich die 1. Stimme. Kurz vor der Landung schloss mein Sitznachbar das Konzert mit einem Rülpser, der sicher an den von Paul Hunn (unglaubliche 107.1 dB) aus dem Jahre 2008 rankam. Meinen Applaus verstand er nicht.
( Meine Bekannte hatte freundlicherweise ein paar Bilder gemacht. Geschossen ein Stück westlich vom Peak.)
Um meine Aufenthaltsgenehmigung in China um weitere 60 Tage zu verlängern, bin ich heute nach Hong Kong geflogen.
Geboarded hab ich um 8:05 und circa eine halbe Stunde später spürte ich den Schub der beiden Strahlentriebe der Firma CFM International sehr deutlich. Mir war zu diesem Zeitpunkt ein wenig mulmig, da einer der beiden Triebwerke kurz zuvor geraucht hatte. Nach Erreichen unserer Reisehöhe weichte jedoch die Mulmität einer plötzlichen Müdigkeit. Selbst die unzähligen, doch beachtlichen Bäuerchen meiner Sitznachbarin konnten mich von meinem Nickerchen nicht abhalten. Erst der frische Duft des äußerst deliziösen Flugzeugfrühstücks holte meinen Geist wieder zurück in die etwas veraltete Boing 737-800 der Air China zurück.
Circa drei Stunden später befanden wir uns im Landeanflug auf Hong Kong. Dieser ist auf Grund des neuen Chek Lap Kok Flughafens nicht mehr so spannend, wie noch vor 10 Jahren, als die Flugzeuge durch die Skyline Hong Kongs den Kai Tak Flughafen ansteuerten.
Eine richtige Landung muss knallen. Unsere Piloten haben so richtig gelandet, das hätte niemand besser hingekriegt. Nach unzähligen Minuten des Wartens, Schlangestehens und Laufens im Flughafen, fuhr ich dann mit dem Airport Express nach Hong Kong Island. Bankenviertel. Unbeschreiblich. Groß, hoch, groß. Aber trotzdem auf engstem Raum. Anzüge. International. Linksverkehr. An Jeder Ecke ein Hochzeitspaar. British. Teuer.
Das geordnete China. Very impressive.
Ich habe sicherheitshalber meine Kamera in Tianjin gelassen. Deshalb keine Bilder.
Im Moment sitze ich in einem kleinen Park (Statue Square Park) vor dem Legislative Council Building und warte auf eine alte Klassenkameradin von mir aus Namibia. Im Hintergrund Weihnachtsmusik und die Bank of China. Verrückte Welt.
Seit vergangenem Sonntag wohne ich nun nicht mehr im Hotel sondern in meiner Residenz im Süden Tianjins, im Hexi Destrict. Diese übernehme ich von meinem derzeitigen Vorgesetzten, der Ende kommender Woche zurück nach Deutschland geht. Bis dahin teilen wir uns die Residenz.
Laut Aussage des Vermieters besitzt diese eine Gesamtfläche von 122m². Allerdings habe ich gestern mal grob nach gemessen und bin nur auf circa 100m² gekommen. Das entspricht ungefähr achtmal der Fläche, die ich in Deutschland zum residieren hatte. Somit kommt es mir auf die fehlenden 22m² nicht so an, zumal die Wohnung nicht aus meiner Tasche finanziert wird.
Die Residenz befindet sich in einem Compound Namens The Sixth Garden Second Phase. Woher dieser exotische Name kommt, weiß ich nicht. Ich habe schon von einem Compound hier in Tianjin gehört, der Ocean’s View heißen soll. Der Namensgeber dieser Compounds scheint immer der gleiche zu sein.
In meinem Compound leben so gut wie nur Chinesen. Jedenfalls habe ich bis zum heutigen Tage noch keine Langnase bis auf die meinige und die meines Vorgesetzten hier im Compound gesehen.
Hier in der näheren Umgebung gibt’s soweit alles, was man sich nur vorstellen kann. Vom Friseur bis zum Fitnessstudio alles. Das einzig negative sind die 40min Fahrtzeit, die meine Residenz von meinem Arbeitsplatz trennen.
(mein Compound.)
(erster EIngang, erster Stock, links.)
(mein Wohnzimmer.)
(meine Küche bzw. mein Esszimmer. Die Küche befindet sich hinter der Tür.)
(Schlafzimmer Nr. 1.)
(Schlafzimmer Nr. 2.)
Da ich am Wochenende in meine eigene Wohnung umzogen bin, musste ich am Montag auf die Wache in meinem neuen Viertel. Hier in China muss man sich innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei melden, wenn man umzieht bzw. in eine Wohnung zieht. Im Hotel wird das vom Hotel selber übernommen.
Die Wache befindet sich im Hinterhof eines Wohnblocks. Von außen lediglich an den Polizeiautos und den dutzend Polizisten vor dem Gebäude zu erkennen. Vom äußeren Eindruck voreingenommen überrascht das Innere der Wache umso mehr. Für einen kurzen Moment habe ich nach dem Geldautomaten Ausschau gehalten. Polierte Sandsteintheke. Polierter Steinboden. Zwei 22“ Flachbildschirme und zwei ebenso große Telefone auf der Theke, dahinter 4 Polizisten. Hinter diesen an der Wand eine große Plexiglasplatte auf der in gold etwas auf chinesisch geschrieben war und Police stand. Diese Platte war blau verspiegelt und gab deshalb Aufschluss darüber weshalb die Polizisten so angestrengt auf ihre Bildschirme starrten und sich offensichtlich sehr amüsierten. Für Einsatzberichte bewegte sich meines Erachtens nach zu viel Buntes auf dem Bildschirm. Ungeachtet unserer Anwesenheit wurde hart gespiarbeitet.
Nach ein paar Minuten entdeckte einer der Polizisten mich und die Sekretärin aus meinem Büro. Von unserem Anblick etwas verwundert wendete er sich allerdings dann wieder dem Bildschirm zu. Nach ein paar weiteren Minuten erbarmte sich dann schließlich einer der Beamten und nahm sich unseres Vorhabens an. Nach und nach schlossen sich immer mehr Polizisten der Diskussion zwischen unserer Sekretärin und dem Polizisten an. Nach fünfzehn Minuten der Diskussion und einigen kritischen Prüfungen meines Gesichtes, meiner Kleidung und meines Passes verschwand einer der Polizisten in einen Nebenraum um meine Papiere, mit einfachsten Mittel wie ich später sah, zu bearbeiten. Als die Sekretärin auch in das Nebenzimmer gebeten wurde saß ich da nun alleine. Vor mir drei Polizisten die angestrengt den Monitor betrachteten. Dank der Plexiglasplatte tat ich das dann auch. Ich fing gerade an zu verstehen, was da auf dem Monitor passierte als einer der Polizisten anfing sich mit mir zu unterhalten. Dies war allerdings nicht so leicht, da sein englischer Wortschatz lediglich aus den drei Wörtern Football und Bayern München bestand. Unsere Konversation wurde des Weiteren sehr abrupt unterbrochen, da ich fälschlicherweise davon ausging, dass man auf der Wache rauchen darf. Schließlich waren alle Polizisten am rauchen. Plötzlich wurde es hektisch. Nachdem der Irrtum geklärt war, rauchte ich draußen meine Zigarette weiter. Draußen war während dessen gerade ein Familienstreit entbrannt. Schien aber soweit niemanden zu interessieren, selbst als eine der Mütter zusammengebrochen ist.
Nach insgesamt 45min verließen die Sekretärin und ich die Wache mit einem Zettel in der Hand, den ich ab dann immer bei mir tragen muss und bei jeder Einreise neu beantragen muss. Dafür ist jedes Mal das gleiche Prozedere notwendig abgesehen davon, dass ich nicht mehr persönlich aufkreuzen muss.
Vergangenen Sonntag haben drei Kollegen und ich die Hauptstadt Chinas, Peking besucht. Früh morgens trafen wir uns am Hauptbahnhof hier in Tianjin. Dieser ist kurz vor den Olympischen Spielen fertig gestellt worden und sieht aus wie ein Flughafen, mit Gates, Sicherheitskontrollen und Wartebereichen. 10 min vor Abfahrt wird man per Lautsprecherdurchsage in Chinesisch und Englisch aufgefordert zu borden. Die Fahrt nach Peking kostet 7 Euro in der Holzklasse und 8 Euro in der Business Class. Schnell war klar in welcher Klasse wir unsere Reise antreten würden. Im richtigen Abteil angekommen nahmen wir auf den etwas überdimensionierten Sitzen Platz. Die (deutschen) Konstrukteure dieses Zuges haben wohl nicht damit gerechnet, dass dieser in China eingesetzt wird und nicht in den Staaten oder Griechenland. Kaum Platz genommen ging es dann auch schon los. Kaum merklich. Und ehe man sich versah stand auf der Geschwindigkeitsanzeige 330km/h von denen man aber im Zug absolut nichts spürte. Faszinierend.
(vor Abfahrt wird der Zug nochmal auf Hochglanz gebracht)
(die 332km/h ist leider unscharf geworden.)
Es war nicht mal Zeit das von der Flug- äh Zug(?)begleiterin ausgeteilte Wasser auszutrinken, da fuhren wir nach nur 30 min in den Pekinger Südbahnhof ein, wo der Zug endete. Auch dieser Bahnhof gleicht einem modernen Flughafen. Viel Glanz und viele Bildschirme. Nur die chin. Schriftzeichen erinnern einen daran, dass man sich in China befindet.
Von dort aus ging es dann mit dem Bus weiter. Ein sehr netter Passant, der sich dann leider hat von einem Taxifahrer offensichtlich beschimpfen lassen müssen, da er ihm das Geschäft gerade versaut hatte, hat uns mit Händen und Füßen erklärt mit welchem Bus und wie. Das hat einwandfrei geklappt. Ziel war der Platz des himmlischen Friedens.
Um diesen dann zu betreten muss man wieder durch einen Sicherheitscheck mit Taschenscan (diese Sicherheitskontrolle ist allerdings nur bis 5 Uhr besetzt wie wir später raus fanden …?). Über den Platz des himmlischen Friedens ging es vorbei am Mausoleum, in welchem sich angeblich Maos Leichnam befindet, in die verbotene Stadt. Unbeschreiblich der Platz. Muss man in seinem Leben mal gesehen haben. Dieser historische Platz, die Gebäude drum rum, der Kult um Mao.
(der Platz des himmlischen Friedens Richtung Norden. Im Hintergrund die verbotene Stadt.)
(der Platz des himmlischen Friedens Richtung Süden. Im Hintergrund das Mausoleum.)
Sehr sehr beeindruckend. Man kann durchaus eine ganze Weile auf diesem Platz stehen und ihn auf sich wirken lassen. Jedoch sollte man dafür gutes Wetter haben. Vergangenen Sonntag wehte ein eisiger Wind, sodass wir die Ohren ganz schön anlegen mussten.
In der verbotenen Stadt engagierten wir eine Touristenführerin, die uns ein wenig über die Geschichte dieser Stadt erzählt hat. Knappe zwei Stunden. Wiederum hoch interessant und vor allem beeindruckend. 9999,5 Räume (ursprünglich). 24 Dynastien. 588 Jahre alt. 720 000m² …
(der Eingang zur verbotenen Stadt.)
(in der verbotenen Stadt.)
Von dort aus nahmen wir ein Taxi zum Vogelnest. Circa 15km nordöstlich der verbotenen Stadt befinden sich die Pekinger Sportstätten der diesjährigen olympischen Spiele. Das Vogelnest (Stadion), das (H2O)³ (Schwimmhalle) und viele mehr.
(das Nest vor dem Nest.)
Eine Fläche soweit das Auge reicht. Nichts erinnert mehr daran, in welchem Land man sich befindet. Absurd. Bizarr.
Ich gebe zu, mit den Bildern aus dem Fernsehen im Kopf 3 Monate später in mitten dieses Stadions zu stehen war schon ziemlich kuhl. Ein sehr beeindruckender Bau. Viel beeindruckender wie im Fernsehen.
(in diesem Moment entdeckt der nette Mann mit der Uniform mich auf der Bahn und verjagte mich kurz darauf.)
(Bildschirme.)
(Kontrast.)
Die Fassade ist gelungen …
Anschließend sind wir ins Taxi gestiegen und wussten nicht wohin. Hunger hatten wir. Also schickten wir den Taxifahrer in eine Richtung bis er zufällig an einer Fußgängerzone vorbei fuhr an dieser wir dann ausstiegen. Diese erwies sich als die Maximilianstraße Pekings. Cartier, Louis Vuitton, Dolce & Gabbana … alles was mein Herz nicht begehrt.
(die Intime Lotte in der Fußgängerzone.)
Gefüllt mit sehr leckeren Teigtaschen machten wir uns auf den Heimweg. Nachdem der dritte Taxifahrer uns aus uns bis heute noch unerfindlichen Gründen nicht mitnehmen wollte, beschlossen wir noch mal das Nahverkehrsnetz Pekings zu nutzen. Circa eine Stunde, drei Busse und eine Ubahn später erreichten wir den Südbahnhof. Wir befanden uns vorher im Norden Pekings. Wir kamen aus dem Süden an den Südbahnhof gefahren. Das gab uns kurz zu Denken. Der Preis von 10 Cent pro Busfahrt/Ubahnfahrt ließ uns diese Tatsache allerdings schnell wieder vergessen.
Auch für die Rückfahrt erlagen wir der Verlockung auch mal zur oberen Klasse dieser Gesellschaft zu gehören und dadurch ein klein wenig mehr Platz zu haben und gratis eine Flasche Wasser zu bekommen. Beschriebene Flasche Wasser, 330km/h und übertrieben viel Beinfreiheit machten aus den 30min Fahrtzeit gefühlte 5min. Auf der Rückfahrt konnte ich einen meiner unendlich vielen Lebens-ToDo-Punkte abhaken: einmal bei 330km/h harnlassen. Irrsinniges Gefühl wenn man dabei circa 1,5 Kilometer zurücklegt.
Vergangene Woche habe ich angefangen hin und wieder Fern zu schauen. Die Programmauswahl hier im Hotel ist sehr interessant: 28 chinesische Sender. Auf einem dieser jetzt im Moment gerade von einem italienischen Koch gezeigt wird, wie man eine Donauwelle backt. Auf einem weiteren kann man Samstags live die Spiele der 1. Bundesliga anschauen (CCTV5); ein arabischer Sender, leider nicht Al-Jazeera; ein portugiesischer Sender RTP internacional; KBS World, ein koreanischer Sender; CNN, meistens ohne Ton; einem amerikanischen Sender Namens HBO. Der Ton besteht aus einem penetranten Dröhnen.; NNK, einem japanischen Sender, auf dem der Wettermann immer mit einem riesigen Paukenschlegel auf der Wetterkarte das Wetter vorhersagt; TV5 Monde Asien; HHK, glaube ich. Das Logo ist so gut wie nicht zu erkennen und im Internetz habe ich auch noch nichts gefunden; BBC, meistens mit sehr schlechter Tonqualität; und irgendeinem seltsamen Grünen-/ProFamilia-/Anti-Raucher-/Anti-Alkohol-/Meditations-/Bibelsender, auf dem gerade was läuft über „benefits of alcohol bans“. An dem Sender sieht man relativ gut, was dabei raus kommt.
Aber auf die Sender wollte ich jetzt gar nicht so eingehen. In den gestrigen Abendnachrichten gab ein finnischer Regierungssprecher (den Namen konnte ich mir leider nicht merken) auf CCTV9 folgenden, wie ich finde, seltsamen Satz, zum Thema Europas Abhängigkeit von Russland in Sachen Energie, von sich:
“Economics should not get in the way of politics.”
Wie jetzt?
(Übrigens sind die Sender nicht jeden Tag vorhanden. Abhängig davon wie viel Säcke Kartoffeln in Deutschland über Nacht umgefallen sind.)
Vergangene Woche Freitag sind einige Kollegen und ich nach der Arbeit bei einem sehr chinesischen Japaner in der Stadt gelandet. Das besondere bei diesem Japaner Freitags: für ca. 15€ pro Langnase essen und trinken so viel man kann. Ursprünglich wollten wir zu einem, wo es mal 12€ gekostet hat. Jedoch ist dieser wohl vor ein paar Wochen durch genau so eine ‚All You Can’-Aktion an uns pleite gegangen. Jedenfalls war der Laden letzten Freitag leer.
Dem Preis entsprechend ein eher gehobeneres Restaurant, welches in mehrere Séparées aufgeteilt war. Jedes dieser Séparées bot Platz für 8 Personen welche in einem Halbkreis um eine relativ große Edelstahlplatte verteilt waren. Des weiteren waren zwei Bedienungen und ein Koch, welcher auf beschriebener V2A Platte das Essen frisch zubereitete dem Séparée zugeteilt. Die Bedienungen waren so aufmerksam, dass man nie den letzten Rest der Bierflasche trinken musste. Auch kam man nicht dazu, die Zigarette selbst zu entzünden.
Nach der schmerzhaften Erfahrung von zu viel Wasabipaste zu Beginn, ein sehr gelungener Abend. Kulinarisch gesehen ein sehr abenteuerlicher Abend, jedoch nicht minder deliziös.
Anschließend bin ich für eine Wohnungsbesichtigung noch zu meinem Vorgesetzten mit nach Hause … eine Flasche Rotwein später glitt ich leichten Fußes aus dem Wohnblock meines Vorgesetzten auf die Strasse in der Hoffnung dort ein Taxi anzutreffen. Da stand ich nun. Nach Mitternacht inmitten einer Zwölfmillionenstadt. Alleine. Von dieser Situation belustigt beschloss ich, mir ein Taxi von dem Pförtner des Wohnblocks rufen zu lassen. Aufgrund unser sprachlichen Differenzen dauerte es einige Zeit bis ich verstand, dass er mir klarmachen wollte, dass um diese Uhrzeit keine Taxis mehr fahren. Mit dieser Situation abgefunden, kamen wir gerade dazu ein paar Wortfetzen auszutauschen als wie aus dem Nichts ein Taxi vor uns stehen blieb. Meine Freude ließ jedoch schnell nach, als ich die Fragezeichen über dem Kopf des Taxifahrers beim betrachten der Visitenkarte meines Hotels sah. Der Samstag hatte schon begonnen und es war kein anderes Auto geschweige denn Taxi in Sicht. Also auf ins Abenteuer. Ich wusste wo ungefähr ich mich in der Stadt befand (südlich). Ich weiß wo mein Hotel sich befindet (östlich). Ich wusste in welche Richtung die Strasse ging, auf der ich, das Taxi mit Fahrer und der Pförtner standen. Mit diesen Informationen lotste mein angetrunkener Orientierungssinn den Taxifahrer durch die Fünzigmillionenstadt über ein paar kleinere Umwege zum Hotel, wo ich ca. 30 min später eintraf. Der Taxifahrer und ich waren sehr beeindruckt. Ein quentchen Glück war sicher auch dabei.
Alles in allem mal wieder ein sehr gelungener Abend. Dementsprechend eng saß die Mütze ein paar Stunden später beim Arbeiten.
Zum Wochenausklang und um ein bisschen von der Arbeit abzuschalten, sind ein paar Kollegen und ich heute mit zwei Taxis zum Plagiatemarkt am Hafen gefahren, ca. 50 km von hier. Allein die Taxifahrten dorthin und zurück waren schon wieder ein Erlebnis für sich. Standstreifen, zwischen zwei Lastkraftwagen hindurch, im Gegenverkehr, Rückwärts auf der Autobahn, Wenden auf der Autobahn … man nehme sich die allgemeinen Verkehrsregeln (§1-§35) der deutschen StVO (Straßenverkehrsverhal-
tensvorschläge – wie die auf StVO kommen ist mir bis heute ein Rätsel, aber gut. Mein Institut heißt Institut für Produktionstechnik, abgekürzt wbk. Abkürzungen sind wahrscheinlich meistens „historisch bedingt“.) und stelle sich immer das Gegenteil von dem vor, was da steht. Genau so wird hier gefahren. Allerdings habe ich mich heute relativ sicher gefühlt im Vergleich zu den Fahrten mit meinem Kollegen letztes Wochenende.
Vom Plagiatemarkt gibt es soweit nicht viel zu erzählen als, dass wirklich ALLES kopiert wird. Möglich oder nicht. ALLES wird kopiert. Das kann man sich mal wieder nicht vorstellen. Ursprünglich wollte ich diesen Post mit Bildern von den schönsten Plagiaten unterstreichen. Leider habe ich kaum Bilder geschossen, da die Plagiate alle nicht zu erkennen waren bzw. so gut kopiert wird, dass die Unterschiede zwischen Plagiat und Original wirklich nur sehr klein sind. Oft ist es nur der Preis, der das Plagiat enttarnt. Ein iPhone 3G für 320 € (Startpreis(!), sprich ca. 100-120€) ist schon verdächtig. Selbst wenn eine LKW-Ladung mit Originalen mal unbeaufsichtigt herumstand, wären die schön blöd wenn die die Eifons für weniger als 600€ verkaufen würden. Und blöd sind die Gewiss nicht. Will man das Original, gibt’s das hier in China nicht billiger wie in Deutschland. Im Gegenteil meistens. Digitalkameras sind hier sogar teurer (die Originale nicht chinesischer Hersteller natürlich). Kopierte Produkte werden einem natürlich hinterher geworfen. Wie funktionstüchtig die sind, ist natürlich fraglich. Einer meiner Kollegen hatte sich vergangene Woche ein Ladekabel für sein Mobiltelefon für 5 € gekauft, welches beim 1. Einstecken Zuhause abgeraucht ist.
(der Plagiatemarkt (ein winzig kleiner Teil davon).)
(in der Fussgängerzone dort immer wieder solche Skulturen. Bizarr.)
Aufgrund meines hervorragend geschulten Kennerblickes und meinen wenigen Prozenten Sehstärke entdeckte ich auf diesem Markt die einzige originale Rolex. Sofort hatte sie mich in ihren Bann gezogen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einigen Minuten der Aufregung und der Atemlosigkeit galt es nun dem Verkäufer dieses Prachtexemplars klarzumachen, dass ich im Moment keine 20.000€ bei mir führe. Nach langem hin und her und einigen schauspielerischen Meisterleistungen meinerseits war er bereit mir dieses Meisterstück für 8 € zu überlassen, was er dann auch tat. Das kürzen des Armbands war natürlich im Preis inbegriffen, versteht sich von selbst bei Rolex.
Nun kann ich mich also stolz zu dem elitären Kreis der Rolexbesitzer zählen. Es erwarten mich also ab heute unzählige neidische „man-der-Junge-hats-geschafft“-Blicke. Das Gefühl von Unbekanntheit und vor allem von Unerkanntheit gehört nun der Vergangenheit an. Unbeschreiblich.
(mein ganz persönliches Original)
Der Markt bestand aus unzähligen kleinen Händlern, die einem so ziemlich alles andrehen wollten, was man sich nur vorstellen kann. Von der Nagelschere bis zur Dachrinne einfach alles. Darunter sehr sehr viel Elektronik (=Schrott). Darauf stehen die Chinesen. Leuchten muss es und bewegen muss sichs. Welche Funktion es erfüllt ist zweitrangig. Für uns Europäer nicht ganz nachvollziehbar. Jedoch deshalb nicht minder spannend. Im Gegenteil.
(hat mir gut gefallen)
Ich kaufe ab und zu doch mal gerne den einen oder anderen Blödsinn beim Online Auktionshaus Ebay ein. Die ganzen Billigprodukte die es auf Ebay bei uns gibt, habe ich hier auf dem Markt wiedergefunden. Für ein Bruchteil von dem, was diese bei uns Kosten. Egal was. USB-Sticks, Queues, mp3-Player, Taschenlampen, Zippos … einfach alles. Einige dieser Produkte habe ich sogar selber für ein vielfaches von dem, was sie hier kosten erworben. Man kann sich gar nicht vorstellen, was alles hier in China produziert wird. Das sieht man auf solchen Märkten am Preis (den man sich übrigens hier in China immer erfragen muss. Preisschilder gibt es nicht. Alles Verhandlungsgeschick.).
Nach einem kurzen Besuch in einem richtigen Elektromarkt (vergleichbar mit Media Markt, nur mit viel viel mehr Ware auf viel engerem Raum) sind wir zum essen auf mein Drängen hin mal wieder in ein typisch chinesischen Restaurant. Das hat mich ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet. War nicht so leicht, da ich meine Energie ja schon für meine schauspielerische Einlage beim Uhrenhändler verpulvert hatte.
(ich habe noch nie so viele Mobiltelefone wie in diesem Elektromarkt gesehen!)
Schließlich saßen wir in diesem typisch chinesischen Restaurant, was wirklich nicht so appetitlich aussah. Wir wären da auch nie rein, wenn unsere Taxifahrer (die übrigens die ganze Zeit mit uns waren) uns da nicht hingelotst hätten. Zu essen gab es wie immer viele Gerichte, von denen die meisten sehr lecker waren. Wir haben einfach quer durch die Karte bestellt, ohne zu wissen, was das genau ist. 15 € für neun Gerichte und sieben Bier gab uns keinen Anlass zu protestieren.
Von der Heimfahrt habe ich dann nicht mehr so viel erlebt, da ich im Taxi eingeschlafen bin und kurz vor dem Hotel wieder aufgewacht bin. Mein Kollege aus Hamburg stellte bei der Auffahrt zum Hotel fest, dass Liu (unser Taxifahrer) das gut gemacht hat und er selbst jetzt ein Bier braucht.
(mein persönliches Highlight heute. Die sind so geschickt programmiert, dass die tatsächlich 32,64,80,160 ... Gb anzeigen. Wirklich kuhl.)
Am nächsten Morgen wurde ich von dem Geschrei mehrerer Hähne sanft geweckt und musste feststellen, dass ich überraschend gut auf dem doch eher brettigen Bett geschlafen hab. Selbst die gefriertruhenartigen Temperaturen konnten mir nichts anhaben. Das lag aber glaub ich zu einem großen Teil an den selbst gestrickten Wollsocken von Muttern und an meiner langen Unterbuchs.
Ich döste noch eine Weile in meinem warmen Bett vor mich hin, mit der kalten, frischen Bergluft im Gesicht, als die alte Dame des Hotels (die Mutter glaub ich) plötzlich vor unserer Zimmertür stand und uns in einer Art und Weise zum Essen bat, die Aufschluss darüber gab, weshalb die hälfte der Fenster in diesem Hotel nicht mehr existent waren. Es war viertel nach sieben. Später erfuhr ich von einem meiner Kollegen, dass die alte Dame recht stinkig war, weil wir so lange geschlafen hätten.
Das Gebrüll der alten Dame noch im Schädel nachhallend begaben wir uns zum Speisesaal, welcher dieses mal das Kinderzimmer des Sohnes war. Zum Frühstück gab es wieder wie zum Abendessen auch Unmengen zu essen. Keine Ahnung was. Nur die Eier hab ich erkannt. Bis auf die Suppe (ich glaube eine Maissuppe), war alles wie immer vorzüglich.
Vom Frühstück gestärkt ließen wir uns mit einem witzigen Gefährt ganz hoch auf einen Berg fahren. Von dort sind wir dann auf der chinesischen Mauer wieder runter gelaufen. 4 Stunden lang. Unzählige Stufen. Von den insgesamt 6300 Kilometern, sind wir ca. 3954 gelaufen. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Kann man nicht in Worte beschreiben, muss man gesehen haben. Mao hatte Seinerzeit mal gesagt, dass man kein Held sein kann, wenn man nicht mal auf der Mauer gewesen ist. Noch mehr Informationen zur chinesischen Mauer findet man glaube ich im Internet, ansonsten an der chinesischen Mauer selbst.
Wirklich sehr beeindruckend. Dazu kommt noch, dass zum Einen die Saison gerade ausläuft und zum Anderen diese Stelle der chinesischen Mauer nicht so bekannt ist, deswegen so gut wie keine Touristen unterwegs waren. Europäer schon gar nicht.
(Meine Kollegen und ich.)
(Der Reiz des verbotenen.)
(Mao und ich.)
(Mitten in der Wildnis. Voller Handyempfang. Meine Kollegin am Arbeiten auf der chinesischen Mauer.)
(Das Dorf an der Mauer, in dem unser Hotel war.)
Zurück im Hotel, bekamen wir im Gang wieder ein sehr leckeres Mittagessen, welches mir aber leider leichte Magenbeschwerden bescherte. Zum Glück aber erst abends, denn wir sind auf dem Rückweg noch in eine kleine typisch chinesische Stadt (Ji Xian) gefahren, wo wir uns die Fußgängerzone angeschaut haben. Ich bin ziemlich aufgefallen. Nach ein paar Metern wurde ich von vielen kleinen Kindern auf Schritt und tritt verfolgt. Blieb ich länger stehen, bildete sich eine kleine Menschenmenge um mich. Man schaute mich an und unterhielt sich über mich. Vor mir. Hat mich sehr amüsiert.
(Auch in dieser kleinen Stadt natürlich ein KFC. Die Chinesen sind ganz wild auf KFC.)
(Der Bildschirm.)
Alles in allem ein wirklich ganz toller Ausflug. Ich bin meinen Kollegen sehr dankbar, dass die mich mitgenommen haben. Sonst wäre ich nie im Leben dazu gekommen.
Am Samstagmittag haben drei Kollegen und ich uns erlaubt, schon um halb 2 Feierabend zu machen. Der Grund war unser Vorhaben die chinesische Mauer am Wochenende zu besichtigen.
Mit dem Taxi ging es in die Stadt wo unser Leihwagen hätte auf uns warten sollen. Hätte sollen. Nach langem hin und her zwischen meinen drei chinesischen Kollegen und dem Schlipsträger der Verleihfirma kam unser VW Santana 2000 dann um die Ecke gerollt, inklusive drei Mitarbeiter der Firma. Dieses Empfangskomitee bestand aus zwei Polierern, die den Wagen vor unseren Augen noch weiter auf Hochglanz gebracht haben und einem Verleiher, der mit einem meiner Kollegen (der Fahrer) alle (äußerlichen) Mängel durchgegangen ist. Die technischen Mängel kamen erst während der Fahrt zum Vorschein. Ungeachtet dieser holte mein Kollege dennoch alles aus der 1.8 Liter Maschine raus, was es nur zu holen gab. Das war erstaunlich viel und mir alles andere als geheuer. Kombiniert mit dem chinesischen Fahrstil und Verkehr gab das einen nervösen Felix. Jedenfalls bin ich froh jetzt wieder in Tianjin zu sein. (zum chin. Verkehr mehr in einem späteren Post)
Als der Taxifahrer uns aus der Stadt gelotst hatte, wofür er nichts wollte (!!!), kamen wir auf die Autobahn. Teuer aber neu und leer. Nach circa 40 min (gefühlte 200 km) und etlichen Flatulenzen meiner Mitfahrer hatten wir dann auch schon das Ende der Autobahn erreicht. Mit einem male tauchten Berge auf und in diese ging es dann auch. Ziel war ein kleines verlassenes Dörfchen direkt an der chinesischen Mauer. Nach zweieinhalb Stunden akustischer Vergewaltigung meines Gehörs durch Hits wie ‚Hit me baby one more time’ oder ähnlichen Songs von ähnlichen Größen, welche auf Endlosschleife liefen, beflügelten mich fast die absolute Ruhe und die frische Luft in den Bergen. Während die Dunkelheit über uns brach, suchten wir uns ein Hotel aus. Dieses Dörfchen bestand quasi nur aus Hotels. Jedoch nicht Hotels, wie das Best Westen Byronn in dem ich derzeit Nachts meine Ruhe finde, sondern kleinen Familienhotels. Rustikal. Für 7 Euro pro Nase (lang oder kurz) pro Nacht und drei üppigen Mahlzeiten kann man auch nicht viel mehr erwarten.
(unser Hotel)
(Eines unserer zwei Zimmer. Die Tür lies sich nicht schließen.)
(Ein Esszimmer geschweige denn ein Restaurant oder Speisesaal sucht man in diesem Hotel vergebens. Am Abend und am Mittag haben wir im Gang gespeist und ...)
(... am Morgen haben wir im Zimmer des Sohnes der Familie gegessen. Jep, mein Kollege Bin sitzt auf dem Bett.)
Nach dem Abendessen verspürte einer meiner Kollegen den Drang einen Spaziergang zu machen. Seltsames Volk, diese Chinesen. Als wir nach 5 min Fußmarsch im Dunkeln allerdings das ganze Dörfchen abgelaufen hatten, kauften wir in einem Supermarkt noch zwei Stapel Karten und Orangen. Bio laut einer meiner Kollegen, der derzeit an der TU Clausthal (jep, ein Chinese in Clausthal) studiert und auch wie ich ein Praktikum hier in Tianjin macht.
(Der Supermarkt)
Zurück im Hotel wollten meine Kollegen mir ein chin. Kartenspiel beibringen. Als ich das 1. Spiel begriffen hatte, stellte sich heraus, dass man für Dieses Schnaps braucht. Hatten wir nicht. Das 2. Kartenspiel konnten meine Kollegen mir irgendwie nicht so richtig vermitteln. Allerdings stellte ich beim Spielen fest, dass dieses Spiel einem Spiel sehr ähnelte, welches ich in Karlsruhe mit Studienkollegen Nächte lang mit viel Bier und Zigaretten gespielt hatte, somit sogar betrunken beherrsche. Das war deren Pech.
(Die Zockerrunde ... mit Wasser und ohne Zigaretten.)
Als die ersten Karten durch die Luft flogen, beendeten wir den Abend mit unseren Mobiltelefonen. Meine Kollegen telefonierten und ich schrieb meiner Liebsten Caro eine SMS.