Dienstag, 24. März 2009

Weltfremd

Auf Grund eines technischen Defektes einer Maschine, welche wir bei einer südeuropäischen Firma eingekauft haben, ist ein Techniker dieser Firma gestern angereist um den Defekt zu beheben.

Eigentlich soweit nichts Außergewöhnliches. Ist der Techniker aber keiner weiteren Sprache außer der seinen mächtig, macht das die Situation sehr außergewöhnlich und vor allem sehr interessant.

Perfettamente.

Montag, 2. März 2009

Zurück in der Kälte

Um elf Stempel in meinem Pass bereichert bin ich nun wieder im kalten Norden Chinas, in Tianjin.

Hinter mir liegen nun fünf sehr ereignisreiche Tage. Der krönende Abschluss war die getrige Busfahrt von Hong Kong nach Shenzhen. Eine wunderschöne Strecke über Berg und Tal immer am Meer entlang mit einem Formel 1-Busfahrer. Hat mir sehr gut gefallen. Der Bus, von 50 Sitzen circa zehn belegt, schien mir ein modifiziertes Fahrwerk gehabt zu haben, sonst wären diese atemberaubenden Kurvengeschwindigkeiten nicht möglich gewesen. Das Einfahren in die Mautstationen mit quietschenden Reifen ließ auch darauf schließen, dass die eingebauten Bremsen nicht zur Serienausstattung gehören. Nah am Limit. Es war zu spüren und zu hören.

Den Samstag verbrachte ich mit meinem Vorgesetzten, den ich in Hong Kong getroffen habe, in Macau. Mit einem sogenannten Tricat fuhren wir mit knappen 100 km/h in 60 Minuten von Hong Kong Island dorthin.

Eine sehr beeindruckende Stadt. Die Mischung aus dem, durch die Kolonialzeit, südländischen Flair, der chinesischen Kultur und dem Asiens-Las Vegas Flair ergibt immer wieder trockene Touristenmünder. Gebäude wie das Grand Lisboa oder das MGM Grand, Plätze wie Largo de Santo Agostinho oder Largo de Lilau und zwischendrin alte heruntergekommene chinesische Hochhäuser. Grotesk. Nichts desto trotz eine sehr schöne Stadt.

(Früher konnte man mal mit dieser Kanone aufs offene Meer schießen. Quasi durch das Grand Lisboa.)

(Mitten in der Stadt ein chinesischer Tempel im Berg.)

Höhepunkt des Tages war der abendliche Besuch des Macau Towers. In über 200 Meter Höhe eine atemberaubende Rundumsicht auf Macau. Der sogenannte Skywalk machte den Macaubesuch dann perfekt. In Worten einfach nicht zu beschreiben.

(233 Meter über dem Boden. Ohne Geländer. Gesichert mit einem Seil und einem Autogurt. Kuhl.)

Mit immer noch reichlich Adrenalin im Blut ging es dann, im Gegensatz zu morgens, dieses mal mit dem etwas langsameren Tragflächenboot Jetfoil nachts zurück nach Hong Kong.

Hong Kong. Eine einfach unglaubliche Stadt. Der Inbegriff des Kapitalismus’ im asiatischen Raum. Das erste was ich beim verlassen des Piers sah, war ein Ferrari 599 GTB Fiorano. Der erste Maybach lies auch nicht lange auf sich warten. Fahrzeuge in dieser Preisklasse sind in Hong Kong keine Seltenheit.

Freitagabend genossen wir im 34. Stock auf Hong Kong Island bei souliger Live-Musik alkoholische Mixgetränke und die Sicht auf die Skyline. Ein einfach unglaublicher Lebensstil. Wie ich später an diesem Abend von einem HK-Chinesen erfuhr ist allerdings der Preis für eben diesen Lebensstil, gerade für junge Menschen, sehr sehr viel Arbeit. Diesen sind jedoch sehr viele bereit zu zahlen um sich eben den, meinem Eindruck nach größtenteils von europäischen Geschäftsleuten vorgelebten, Lebensstil leisten zu können.

Zurück im Hotel brauchte ich beim Anblick der Skyline von meinem Zimmer aus eine Weile um die Eindrücke dieser Stadt, sogar um alleine dieses Stadtbild, zu verarbeiten. Das sind Eindrücke, die man nicht vergisst. Genau so wie jene aus Mocambique oder der Transkei.

In meinem Kopf sind diese Eindrücke nicht durch tausende von Kilometern getrennt.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Tut das Not, dass das so raucht?

Wie bei den letzten zwei Flügen hier in den Süden auch, haben die beiden Triebwerke der 737-700 beim anwerfen gewaltig geraucht. Das scheint wohl, angesicht der Reaktionen der Passagiere, nämlich keine, normal zu sein, jedoch deshalb trotzdem nicht beruhigend. Bei Gelegenheit werde ich diesbezüglich Herrn CFM International darauf mal ansprechen.

(Überdimensionierter Staubsauger.)

Da ich ein umweltbewusster Mensch bin hatte ich, um das Startgewicht der Maschine auf ein Minimum zu reduzieren, vor Abflug die Bedürfnisanstalt aufgesucht. Das, meinen Hygieneansprüchen am nächsten kommende Urinal gefunden und angesteuert, ertönte aus einer der Kabinen lautes Gelächter. Die funkgerättypischen Laute und Verzerrungen zu dem Gelächter ließen darauf schließen, dass sich hinter der Kabinentür mindestens eine Person mit mindestens einem Funkgerät befand. Warum? Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass sich offensichtlich einige Wachmänner auf sämtliche Klos des Flughafengebäudes verteilt hatten um über Funk die Auswirkungen der Finanzkrise zu diskutieren. Ist doch logisch. Finanzkrise, beschissen, Klo.

Zhuhai, 25°C, 61% Luftfeuchtigkeit.

Beschriebener Lieferant war, anders als erwartet, alles andere als bockig. Ein Grund dafür ist sicher die Qualität der Gewerke, die im Großen und Ganzen doch sehr beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass man hier immer noch in China ist.

(Verzinkter Stahl.)

Die von mir aufgezeigten Mängel wurden ohne Diskussion festgehalten und der Zeitraum zur Abarbeitung dieser sofort festgelegt. Sehr angenehm. So muss das Kunden-Lieferanten-Verhältnis sein. Das Einzige was meine Stimmung im Nachhinein ein wenig trübt ist die Tatsache, dass ich mir bei der Begutachtung der Gewerke, welche größtenteils im Freien gelagert werden, ein gehöriges UV-Erythem im Nacken geholt habe. Die Tatsache, dass man mir keinen Sonnenschirm angeboten hat, wird sich sicher nicht positiv auf meinen Bericht auswirken.

(Hier lässt sichs aushalten.)

(Das Meer. Hinter dem kleinen Berg liegt Hong Kong.)

(Die Sicht von meinem Hotelzimmer ist ok.)

Dienstag, 24. Februar 2009

Wo bleiben die bösen Mails?

Freunde von mir haben mir vor geraumer Zeit mal mit bösen Mails gedroht, wenn ich nicht bald mal wieder einen Eintrag hier posten würde. Um nicht andere Leser mit der Ungewissheit über die Zukunft meines Blogs weiter im Dunkeln zu lassen, habe ich mich heute, entgegen meines Vorhabens die angekündigten bösen Mails mit einem Eintrag hier zu beantworten, dazu entschlossen nicht weiter auf die diese bösen Mails zu warten. Aus dem eben genannten Grund übernehme ich somit selbstverständlich keine Verantwortung für den Verzug dieses Eintrags. Sollte es aufgrund dieses Verzuges zu Schäden gekommen sein, bin ich gerne bereit dadurch entstehende Ansprüche an beschriebene Freunde weiterzureichen.

Des Weiteren sei Spekulationen Zufolge die Überschrift/Eingangsfrage meines letzten Eintrags Grund für meine lange Schreibpause. Hier.

In der Zwischenzeit ist hier auf der anderen Seite der Welt natürlich einiges passiert. Ich habe einige Inbetriebnahmen und Qualitätsabnahmen hinter mir, einen Produktionsstart, genannt SOP, hinter mir, sehr viele skurrile Situationen überstanden, und das Nachtleben hier weiter über mich ergehen lassen.

Morgen werde ich meine nächste Dienstreise Richtung Süden antreten, wo ich eine Qualitätskontrolle und eine Ablieferungsprüfung bei unserem Lieferanten durchführen werde. Mich erwarten 25°C und ein bockiger Lieferant. Für diesen sind zwei Tage eingeplant. Den Samstag und Sonntag werde ich vorrausichtlich dafür nutzen meinen körperlichen Lieferanten, meinen Sinnesorganen, mit farbenfroher Flora, frischer Meeresluft, europäischer Musik, vergleichsweise hoher Luftfeuchtigkeit und portugiesischer Küche etwas Abwechslung und Erholung zu bieten.

(Einer der Wachen in einer unserer Hangars. Der macht den ganzen Tag nichts anderes.)

(Kommentarlos.)(Baustellensicherheit wird hier ganz groß geschrieben. 4-spurige Straße.)

(Zu Silvester werden die Feuerwerkskörper an jeder Straßenecke verkauft. Sowohl die Größe als auch die Wirkung mancher dieser Monetenverpuffer sind durchaus sehr beachtlich. Bei manchen dieser Geldvernichter könnte man sogar den Einsatz jenseits des Zivilen vermuten.)


Montag, 8. Dezember 2008

Hong Kong gehört zu ?

Ich habe in den drei Tagen in Hong Kong mehr Ferraris, Lamborghinis und Bentleys gesehen wie in den 3 Jahren, in denen ich in Stuttgart gewohnt habe. Auf Hong Kong Island habe ich nicht einen Zigarettenstummel auf dem Boden entdeckt. Nicht ein Mensch hat in meiner Anwesenheit auf die Strasse gespuckt, genossen oder gehustet. Alle Taxis und Busse sowie ein Großteil der Autos auf Hong Kong Island fahren mit Gas. Alle öffentlichen Bedienflächen wie zum Beispiel im Aufzug der Hochhäuser werden min. alle 4 Stunden gereinigt (Sanatized every 4 hours). Es wird nicht bei rot gelaufen. Auf Hong Kong Island sind die Läden der Superreichen wie z.B. Louis Vuitton oder Prada so groß wie ein Karstadt bei uns in Deutschland.

Die Rede ist immer von Hong Kong Island. Das darf man nicht vergessen. Auf dem Festland sieht es vermutlich doch ein wenig anders aus. Ich hatte leider nicht die Zeit, Kowloon oder weitere Stadtteile auf dem Festland zu besichtigen. Samstagabend war ich nur für 2 Stunden auf Kowloon. Dort aber auch nur am Ufer um von dort aus die Lightshow der 12 höchsten Gebäude auf Hong Kong Island anzuschauen. Anschließend habe ich noch eine Stunde lang die Skyline von Hong Kong betrachtet. Einfach unbeschreiblich. Das kann kein Foto festhalten. Muss man selber gesehen haben. Mein Mund war nach diesen insgesamt zwei Stunden ausgetrocknet.

Die Preise in Hong Kong entsprechen dementsprechend der Optik der Stadt. Freitagabend waren wir aus. Das günstigste Bier welches wir konsumierten schlug mit 5 € zu buche. Das war Carlsberg. Nach oben gab es keine Grenze, was dazu geführt hat, dass nun mein Traum vom Eigenheim ganz schön weit in die Ferne gerückt ist. Komischerweise aber hat mich, trotz meiner schwäbischen Wurzeln, das Geldausgeben in Hong Kong in keinster Weise interessiert. Ob fünf, acht oder zwölf Euro für ein Bier, es war einfach geil. Dieser internationale Flair, der, vermute ich, in Hong Kong ziemlich einmalig sein dürfte hat mir irrsinnig gut gefallen.

Gewohnt habe ich bei Freunden von mir aus Namibia, im 58ten Stock auf Lantau Island. Auf dem Balkon im 58sten Stock zu stehen ist schon anders als auf dem Balkon Zuhause im 2. Stock. Auch das lässt sich nicht so richtig mit Worten beschreiben.

Sicher nicht das letzte mal, das ich in Hong Kong war.

Meine Heimreise verlief mehr oder weniger ruhig ohne Zwischenfälle mit der gleichen Maschine und der gleichen Crew wie am Freitag. Das essen war wieder äußerst pampös. Vorzüglich. Anfangs noch ein wenig amüsiert von den unzähligen Rülpsern um mich rum fing ich an gefallen dran zu finden und reihte mich als Sopranrülsper in das Orchester ein. Gegen Ende des Fluges bekam ich die 1. Stimme. Kurz vor der Landung schloss mein Sitznachbar das Konzert mit einem Rülpser, der sicher an den von Paul Hunn (unglaubliche 107.1 dB) aus dem Jahre 2008 rankam. Meinen Applaus verstand er nicht.

( Meine Bekannte hatte freundlicherweise ein paar Bilder gemacht. Geschossen ein Stück westlich vom Peak.)

Samstag, 6. Dezember 2008

Hong Kong

Um meine Aufenthaltsgenehmigung in China um weitere 60 Tage zu verlängern, bin ich heute nach Hong Kong geflogen.

Geboarded hab ich um 8:05 und circa eine halbe Stunde später spürte ich den Schub der beiden Strahlentriebe der Firma CFM International sehr deutlich. Mir war zu diesem Zeitpunkt ein wenig mulmig, da einer der beiden Triebwerke kurz zuvor geraucht hatte. Nach Erreichen unserer Reisehöhe weichte jedoch die Mulmität einer plötzlichen Müdigkeit. Selbst die unzähligen, doch beachtlichen Bäuerchen meiner Sitznachbarin konnten mich von meinem Nickerchen nicht abhalten. Erst der frische Duft des äußerst deliziösen Flugzeugfrühstücks holte meinen Geist wieder zurück in die etwas veraltete Boing 737-800 der Air China zurück.

Circa drei Stunden später befanden wir uns im Landeanflug auf Hong Kong. Dieser ist auf Grund des neuen Chek Lap Kok Flughafens nicht mehr so spannend, wie noch vor 10 Jahren, als die Flugzeuge durch die Skyline Hong Kongs den Kai Tak Flughafen ansteuerten.

Eine richtige Landung muss knallen. Unsere Piloten haben so richtig gelandet, das hätte niemand besser hingekriegt. Nach unzähligen Minuten des Wartens, Schlangestehens und Laufens im Flughafen, fuhr ich dann mit dem Airport Express nach Hong Kong Island. Bankenviertel. Unbeschreiblich. Groß, hoch, groß. Aber trotzdem auf engstem Raum. Anzüge. International. Linksverkehr. An Jeder Ecke ein Hochzeitspaar. British. Teuer.

Das geordnete China. Very impressive.

Ich habe sicherheitshalber meine Kamera in Tianjin gelassen. Deshalb keine Bilder.

Im Moment sitze ich in einem kleinen Park (Statue Square Park) vor dem Legislative Council Building und warte auf eine alte Klassenkameradin von mir aus Namibia. Im Hintergrund Weihnachtsmusik und die Bank of China. Verrückte Welt.

Montag, 1. Dezember 2008

Meine Residenz

Seit vergangenem Sonntag wohne ich nun nicht mehr im Hotel sondern in meiner Residenz im Süden Tianjins, im Hexi Destrict. Diese übernehme ich von meinem derzeitigen Vorgesetzten, der Ende kommender Woche zurück nach Deutschland geht. Bis dahin teilen wir uns die Residenz.

Laut Aussage des Vermieters besitzt diese eine Gesamtfläche von 122m². Allerdings habe ich gestern mal grob nach gemessen und bin nur auf circa 100m² gekommen. Das entspricht ungefähr achtmal der Fläche, die ich in Deutschland zum residieren hatte. Somit kommt es mir auf die fehlenden 22m² nicht so an, zumal die Wohnung nicht aus meiner Tasche finanziert wird.

Die Residenz befindet sich in einem Compound Namens The Sixth Garden Second Phase. Woher dieser exotische Name kommt, weiß ich nicht. Ich habe schon von einem Compound hier in Tianjin gehört, der Ocean’s View heißen soll. Der Namensgeber dieser Compounds scheint immer der gleiche zu sein.

In meinem Compound leben so gut wie nur Chinesen. Jedenfalls habe ich bis zum heutigen Tage noch keine Langnase bis auf die meinige und die meines Vorgesetzten hier im Compound gesehen.

Hier in der näheren Umgebung gibt’s soweit alles, was man sich nur vorstellen kann. Vom Friseur bis zum Fitnessstudio alles. Das einzig negative sind die 40min Fahrtzeit, die meine Residenz von meinem Arbeitsplatz trennen.


(mein Compound.)
(erster EIngang, erster Stock, links.)
(mein Wohnzimmer.)
(meine Küche bzw. mein Esszimmer. Die Küche befindet sich hinter der Tür.)
(Schlafzimmer Nr. 1.)
(Schlafzimmer Nr. 2.)